Tatort Stadion 2

„2001 wurde die Ausstellung Tatort Stadion vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) entwickelt und seitdem an fast zweihundert Orten gezeigt. Die Ausstellung leistete Pionierarbeit, indem sie Diskriminierung beim Fußball thematisierte.
Seitdem hat sich viel getan. Diskriminierung wird von vielen Vereinen und Fans mittlerweile als Problem wahrgenommen und angegangen. Dennoch werden in deutschen Stadien nach wie vor allwöchentlich AusländerInnen beschimpft, antisemitische und antiziganistische Gesänge angestimmt oder Homosexuelle verunglimpft. Frauen haben es im Männersport Fußball weiterhin schwer, akzeptiert zu werden.
Die komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 will informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun.“ ( tatortstadion.blogsport.de )

Die Ausstellung Tatort Stadion kommt nun erstmalig nach Dortmund. Auf Initiative von ballspiel.vereint! wird die Ausstellung von Karfreitag, 18.04. bis einschließlich Sonntag, 27.04. im BORUSSEUM, also direkt im Westfalenstadion gezeigt. Der Eintritt zur Ausstellung und allen Veranstaltungen wird kostenfrei möglich sein. Spenden zugunsten von b.v! sind natürlich sehr gerne gesehen. Wer auch die Dauerausstellung des BORUSSEUM sehen oder an der Stadiontour teilnehmen möchte, zahlt den normalen Eintritts- bzw. Führungspreis.
Zum zehnten Mal jährt sich der Gedenklauf für den Widerstandskämpfer gegen Hitler und ehemaligen Platzwart von Borussia Dortmund, Heinrich Czerkus. Dies wird der Startpunkt für die Ausstellung sein. Von 10 Uhr bis zum Startschuss (etwa 13 Uhr) wird das BORUSSEUM die Sonderaustellung öffnen, danach werden wir zusammen in die Bittermark spazieren, joggen oder radeln.

Am 21.4., also Ostermontag startet um 17:30 Uhr eine Führung rund um den Borsigplatz mit dem Titel „Der BVB, Nazis und Widerstand.“ Dieser führt unter anderem an die Wohnhäuser von Heinrich Czerkus, Fritz Weller und Franz Hippler, die Albertus-Magnus-Kirche, in der Pfarrer Lepper verhaftet wurde, und die ehemalige Kneipe des von der Borussenfront vertriebenen „Erbse“ Erdmann („BVB-Walzer“). Diese Führung wird von Annette Kritzler durchgeführt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldungen unter info@ballspielvereint.org

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts wird am Donnerstag, den 24. April einen Vortrag mit Gerd Dembowski veranstalten. Das Thema lautet „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“. Immer wieder erscheinen neonazistische Auswüchse im Profi-und Amateurfußball in der öffentlichen Diskussion. Aber was bleibt außer Empörung und einigen symbolpolitischen Maßnahmen? Was können Fans, Vereine und Verbände tun, um einen sozial-inklusiven Klimawandel zu fördern?
Anschließend wird eine Diskussionsrunde stattfinden. Der Beginn ist um 19:09 Uhr, der Veranstaltungsort wird im Westfalenstadion sein. weitere Informationen www.gerd-dembowski.de

Am Freitag, den 25.4. um 19:09 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) zeigen wir das Theaterstück STEH DEINEN MANN von Christopher Weiss. www.boatpeopleprojekt.de/stuecke/steh-deinen-mann
Das Stück präsentiert auf humorvolle Weise eine fiktive Sportler- Biografie aus dem Amateur-Dorffußballleben. Konfrontiert mit einer Statistik 10% aller Männer seien homosexuell macht sich Fußballfan Matthias auf die Suche nach dem aktiven »schwulen Superspieler«.
Dies wird im KCR Dortmund, Braunschweiger Straße 22 in 44145 Dortmund, in direkter Nähe zum Nordmarkt stattfinden. Auch für das Theaterstück bitten wir aufgrund begrenzter Plätze, um eine Anmeldung unter info@ballspielvereint.org .

Nach der Ausstellung, am Montag, den 28.04., rufen wir dazu auf eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die deportierten Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zu besuchen. Die Gedenkveranstaltung startet um ca. 18 Uhr und ist für ca. 30-45 Minuten geplant. Ein Teil der Veranstaltung wird von Borussia-Fans beigesteuert werden, die an einer vom BVB organisierten Gedenkstättenfahrt teilnehmen. Diese führt unter anderem ins Vernichtungslager Sobibor und ins Konzentrationslager Majdanek. Diese Veranstaltung wird nicht von uns geplant oder durchgeführt, wir unterstützen sie aber gern durch Anwesenheit und diesen Aufruf.

Gerahmt von den beiden Gedenkveranstaltungen, welche schon seit vielen Jahren durchgeführt werden, wird Tatort Stadion 2 also fast zwei Wochen Station in Dortmund machen. Das BORUSSEUM öffnet täglich um 10 Uhr und schließt um 18 Uhr.
Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher_innen und werden bei der Ausstellung durchgehend mindestens eine_n Ansprechpartner_in vor Ort haben, welche euch bei Fragen zu Tatort Stadion 2, zu Diskriminierung oder zu Fußball weiterhelfen kann.

Personen, die nazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der nazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind bei allen Veranstaltungen und von der Ausstellung ausgeschlossen. Der Veranstalter wird von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Zutritt zur Ausstellung und den Veranstaltungen verwehren oder von diesen ausschließen.

VFB Stuttgart – Borussia Dortmund // Borussia Dortmund 2 – Preußen Münster (14 Uhr Stadion Rote Erde)

Foto: Fanabteilung

Nächstes Wochenende ist es wieder so weit: Der Ballspielverein Borussia von 1909 gastiert beim VFB Stuttgart in Bad Cannstatt zum 28. Spiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 2014.
Zu diesem Anlass werden am Samstag tausende Schlachtenbummler_innen den Weg zum Neckarstadion in Angriff nehmen, um ihren jeweiligen Verein nach Kräften zu unterstützen. Die im weiten Rund Anwesenden werden ihr Möglichstes dafür geben, dass die Vertreter ihrer Farben auf dem Grün mindestens einmal mehr als die Anderen das Runde im Eckigen unterbringen.
So weit die Theorie, in der Praxis sieht das allerdings anders aus!
Wiedereinmal sieht sich die Dortmunder Fanszene mit Eintrittspreisen jenseits des guten Geschmacks konfrontiert. Bereits im letzten Jahr mussten wir für den Besuch des Spiels zwischen dem VFB Stuttgart und dem Ballspielverein tiefer in die Tasche greifen, als es uns lieb war. Unter Protest taten es die meisten, wenn sie denn eine Wahl hatten, trotzdem.
Dieses Jahr nicht. Wiederholt kostet das Tagesticket für 90 Minuten Abstiegskampf des VFB für uns Fans aus Westfalen inklusive Vorverkaufsgebühren über 20 Euro. Diesen Umstand nehmen die Dortmunder Ultras rund um die Gruppe The Unity in dieser Spielzeit zum Anlass, auf den Besuch des Spiels der ersten Mannschaft des BVB beim VFB zu verzichten.
Stattdessen schlägt The Unity allen Schwarz-Gelben vor, mit ihnen das Spiel der Zweitvertretung des Ballspielvereins in der Roten Erde gegen Preußen Münster zu besuchen:

„Wir wollen am 29. März nicht auf ein Stadionerlebnis verzichten! Wir wollen an diesem Samstag nicht auf Borussia verzichten! Lasst uns an diesem Spieltag erneut die Rote Erde gemeinsam rocken. Jeder, dem die überteuerten Eintrittspreise des VfB zuwider sind, ist eingeladen sich uns anzuschließen. Jeder, der die weite Fahrt nach Stuttgart eh nicht eingeplant hatte, fühle sich aufgefordert zum Heimspiel an die Strobelallee zu kommen.“ (The Unity)

Es ist natürlich schwierig zu sagen, wie viel Geld ein Bundesligaspiel wert ist. Was sollte man bereit sein zu zahlen um ein Bundesligaspiel im Stadion verfolgen zu dürfen? Wo ist die Schmerzgrenze erreicht?
Das alles hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und ist am Ende immer wieder aufs Neue eine individuelle Entscheidung, die niemandem abgenommen werden kann.
Doch sollte auch klar sein, dass mit jedem Euro, die der Stadionbesuch teurer wird, die Entscheidung gegen das Spiel im Stadion einfacher wird. Kurzfristig lässt sich so etwas natürlich kompensieren. Wer am Samstag nicht nach Stuttgart fährt, wird ersetzt durch jemanden, der eine höhere Zahlungsbereitschaft an den Tag legt. Ein Gesetz des Marktes, das auch im Fußball nicht zu umgehen ist.

Die Vereine haben ein Monopol auf Eintrittskarten ihrer Heimspiele. Sie versuchen durch ihre Preispolitik ihre gegebenen Kapazitäten möglichst voll auszuschöpfen und dabei den größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften. Durch die Preispolitik, die der VFB Stuttgart nun fährt, wird Publikum, das für gewöhnlich die Tribünen bevölkert und belebt verdrängt und zahlungsfähigeres Publikum wird diese Plätze dafür einnehmen. Dieser Prozess beginnt natürlich nicht erst bei Preisen von 20,00 Euro und mehr, sondern ab dem ersten Euro, der als Eintritt verlangt wird.
Das besondere dabei ist nun jedoch, dass genau die Menschen vom Stadionbesuch absehen, die sonst das Stadion beleben, mit Fahnen bereichern und mit Gesängen das Spiel nach vorne treiben.
Es sind also genau die Menschen, die Bundesligafußball erst wirklich attraktiv machen.
Es ist eine unrühmliche Methode die der VFB anwendet um die schwarz-gelbe Kuh zu melken.

ballspiel.vereint! Unterstützt den Aufruf der Gruppe THE UNITY das Spiel unserer Profis beim VFB nicht zu besuchen und sich stattdessen lieber mit Freund_innen auf ein Bier in der Roten Erde zu treffen, um unsere Amateure gegen Preußen Münster siegen zu sehen.
Die Vereine werden erst aufhören an der Preisschraube zu drehen, wenn sie merken, dass durch ihre Preispolitik genau die Menschen aus ihrem Stadion ausgeschlossen wurden, die vorher Anreiz für viele andere waren das Stadion zu besuchen.
Love Borussia – Don’t be a cow!

schwatzgelb.de Interview: Ballspiel.vereint! – Borussen gegen Diskriminierung

Im Februar ist die Initiative ballspiel.vereint!, die sich mit Diskriminierung rund um Borussia Dortmund beschäftigt, mit einer Homepage und einer Facebook-Seite in die Öffentlichkeit getreten. Seitdem ist die Liste der Unterstützer stetig angewachsen und auch die Facebook-Seite erfreut sich großem Zuspruch. Wir haben uns mit den Jungs getroffen um die wichtigsten Fragen zu klären. Wofür steht ballspiel.vereint, wer steckt dahinter und welche Aktionen sind geplant?

schwatzgelb.de: Hallo, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt uns ein paar Fragen zu beantworten. Fangen wir mal ganz vorne an: Wie seid ihr darauf gekommen, die Initiative ballspiel.vereint! ins Leben zu rufen und was kann man sich unter ballspiel.vereint! überhaupt vorstellen?

ballspiel.vereint!: Die Initiative ballspiel.vereint! ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Fangruppen von Borussia Dortmund, zumeist Alles- oder Vielfahrer. Die Initiative setzt sich aus verschiedensten Teilen der Fanszene zusammen. Es sind Ultras dabei und Allesfahrer, aber auch Fans, die nur zu Heimspielen gehen. Uns verbindet neben dem Interesse an Borussia Dortmund der gemeinsame Wunsch, dass sich bei Borussia alle Menschen wohlfühlen können und wir ein entsprechendes Klima schaffen, in dem niemand Angst haben muss, dass ihm jemand in den Rücken fällt. Erst recht kein anderer BVB Anhänger.
weiterlesen

Stadtgespräch erfüllt die Erwartungen: nichts Neues!

Der Radiosender WDR 5 lud am 11. März 2014 ins Harenberg-City-Center (HCC) in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Wer bändigt die Hooligans? Damit der Fußball wieder Spaß macht” ein. Zu Gast waren neben dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke, dem Journalisten und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, Judith von der Heyde, ihres Zeichens Wissenschaftlerin, auch Ralf Jäger, der Innenminister von NRW sowie Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz.

Das HCC war bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass einige Gäste die Podiumsdiskussion, die unter reger Beteiligung der anwesenden Zuschauer_innen stattfand, nur aus dem Vorraum verfolgen konnten. Neben etlichen BVB-Fans, Ultras und anderen Interessierten, fand sich auch ein sehr großes Aufgebot an Verfassungsschützer_innen und Polizist_innen im Publikum. Leider hielt es der WDR dennoch nicht für nötig, die rund sieben ebenfalls anwesenden Mitglieder des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund” des Saals zu verweisen, obwohl BVB-Fans auf diesen Missstand wiederholt hinwiesen und auch der anwesenden Polizei sowie den Angestellten des Innenministeriums die Personen nicht fremd seien dürften.

Hier wäre der klassische Gebrauch des Hausrechts, seitens des Veranstalters, angebracht gewesen. Dafür hätte der WDR jedoch bereits im Vorfeld darauf hinweisen müssen, dass gewisse Personenkreise (wie z.B. Mitglieder verbotener Organisationen) von der Veranstaltungseinladung ausgeschlossen sind. Daran hat der WDR leider nicht gedacht, dafür jedoch an intensive Einlasskontrollen, die auch das Abtasten der Kleidung und Taschenkontrollen beinhalteten.
weiterlesen