Stadtgespräch erfüllt die Erwartungen: nichts Neues!

Der Radiosender WDR 5 lud am 11. März 2014 ins Harenberg-City-Center (HCC) in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Wer bändigt die Hooligans? Damit der Fußball wieder Spaß macht” ein. Zu Gast waren neben dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke, dem Journalisten und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, Judith von der Heyde, ihres Zeichens Wissenschaftlerin, auch Ralf Jäger, der Innenminister von NRW sowie Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz.

Das HCC war bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass einige Gäste die Podiumsdiskussion, die unter reger Beteiligung der anwesenden Zuschauer_innen stattfand, nur aus dem Vorraum verfolgen konnten. Neben etlichen BVB-Fans, Ultras und anderen Interessierten, fand sich auch ein sehr großes Aufgebot an Verfassungsschützer_innen und Polizist_innen im Publikum. Leider hielt es der WDR dennoch nicht für nötig, die rund sieben ebenfalls anwesenden Mitglieder des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund” des Saals zu verweisen, obwohl BVB-Fans auf diesen Missstand wiederholt hinwiesen und auch der anwesenden Polizei sowie den Angestellten des Innenministeriums die Personen nicht fremd seien dürften.

Hier wäre der klassische Gebrauch des Hausrechts, seitens des Veranstalters, angebracht gewesen. Dafür hätte der WDR jedoch bereits im Vorfeld darauf hinweisen müssen, dass gewisse Personenkreise (wie z.B. Mitglieder verbotener Organisationen) von der Veranstaltungseinladung ausgeschlossen sind. Daran hat der WDR leider nicht gedacht, dafür jedoch an intensive Einlasskontrollen, die auch das Abtasten der Kleidung und Taschenkontrollen beinhalteten.

Auf dem Podium wurde in einer ersten Fragerunde festgestellt, dass allen Beteiligten der Spaß am Fußball noch lange nicht vergangen sei und somit die Fragestellung seitens des Westdeutschen Rundfunks reißerisch und unsachlich gewählt worden sei. Im weiteren Verlauf der Diskussion berichtete Judith von der Heyde, die sich über ein Jahr im Umfeld einer nicht genannten Ultras-Gruppe bewegte von ihren Erfahrungen. Sie verglich das Leben der Ultras als eine Art anhaltende Klassenfahrt mit jungen Menschen, die nach Selbstverwirklichung streben. Sie beschrieb sehr ausführlich, dass Gefahren- bzw. Angstsituationen in dieser Zeit lediglich Ausnahmen darstellten und nur zustande gekommen seien, wenn die Ultras in polizeiliche Maßnahmen gerieten, die sie nicht nachvollziehen konnten. Besonders betont wurde dabei die Nachvollziehbarkeit. Leider ging das in der Folge unter. Zwischen den anwesenden Fußballfans und Ralf Jäger begann die übliche Diskussion um Polizeigewalt, Hooligans, Ultras und Stehplätze. Dadurch, dass Ralf Jäger wiederholt betonte wie viel auch ihm an Stehplätzen liegen würde, suggerierte er den Anwesenden es gäbe eine tatsächliche Gefahr, dass diese abgeschafft werden müssten, wenn es beim Fußball nicht „endlich“ friedlicher werden würde. Tatsächlich entkräftete er seine unterschwelligen Drohungen jedoch im weiteren Verlauf, indem er darauf hinwies, wie sicher die Stadien (O-Ton: Arenen) der Republik doch seien und es eher auf Anreise- und Abreisewegen zu Konfliktsituationen käme.

Von Fanseite wurde darauf hingewiesen, dass sich viele Fußball-Anhänger_innen von der Polizei bei Auswärtsspielen drangsaliert und in ihren Grundrechten beschnitten fühlten. Das rechtfertigte der Innenminister damit, dass die Fans den Störenfrieden angeblich einen Rückzugsraum böten und sich mit ihnen solidarisierten, statt sich von ihnen zu distanzieren. Hierfür führte er als Beispiel die, häufig als Krawall-Spiel betitelte, Partie Bielefeld gegen Dresden an. Hier habe die Polizei Menschen, die eine Straftat begangen haben sollen, nicht von Fußballfans unterscheiden können, da alle die selben Regenponchos getragen hätten. Dies schien für den Innenminister bereits eine Art Solidarisierung zu sein und rechtfertige somit auch das Vorgehen seitens der Polizei gegen alle Personen, die mit einem Regenponcho bekleidet waren. Auf der anderen Seite blieb die Frage nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizist_innen weiterhin unbeantwortet. Ralf Jäger wies hier darauf hin, dass es noch keinen Fall gegeben habe, bei dem ein Polizist nicht hätte zweifelsfrei identifiziert werden können. Diese Aussage führte bei den Zuschauer_innen zu johlendem Gelächter.

Auch die Rolle der Medien wurde thematisiert. Dabei zeigten sich Ralf Jäger und auch die Fans in trauter Einstimmigkeit. Beide Seiten kritisierten die reißerische und undifferenzierte Berichterstattung rund um den Fußball. Wobei Ultras aus dem Publikum auch darauf hinwiesen, dass diese Berichterstattungen häufig nur den Polizeibericht als Grundlage hätten und somit maßgeblich beeinflusst würden.

Leider waren weder Sandra Maischberger (“Taliban der Fans”), noch andere TV-Pyromanen zu Gast, um mitzudiskutieren und auch der Verweis des Moderators darauf, dass diese Diskussion ein erster Schritt zu einer Versachlichung und in Richtung Dialog sei, kann aufgrund des Titels der Veranstaltung, kaum ernst genommen werden.

Zu keinem Zeitpunkt des Abends fand die Diskussion einen Weg zu einem Höhepunkt, oder gar zu einem Schritt aufeinander zu. Die Ausgangsfrage wer denn nun die Hooligans bändigen solle, blieb wie immer ungeklärt und die Chance das Fussball wieder allen Spaß macht, wurde schon in dem Moment vertan, als man die scheiss Faschos lieber im Saal sitzen ließ als sie im hohen Bogen aus dem Raum zu werfen. Wer zu Hause blieb, hat alles richtig gemacht. Wer sich das Ganze noch einmal geben will, kann dies Donnerstag Abend den 13.03.2014 ab 20:05 auf WDR 5 tun.