Nachbetrachtung des Vortrags von Gerd Dembowski

„Es gibt in Dortmund eine antirassistische Tradition, die man hochhalten kann“, sagt Gerd Dembowski. Im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion“ hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts den Soziologen und Fanforscher nach Dortmund geholt. Zu seinem Vortrag im Presseraum des BVB sind über 85 Menschen gekommen, um zu hören, was Dembowski über das Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“ zu sagen hat. Und das klingt für die Vergangenheit sehr positiv. Stadiondurchsagen und Gesänge beim BVB gegen die Pogrome gegen Asylsuchende in Deutschland waren Auslöser für die erste Toleranz-Kampagne des DFB. Auf dem dazugehörigen Plakaten zu „Mein Freund ist Ausländer“ posierten mit den Dortmunder Spielern Stefan Reuter und Stéphane Chapuisat überwiegend Borussen. Darum spricht sich Dembowski dafür aus, diese positiven Dinge aus der BVB-Geschichte stark zu machen und nicht immer nur der Borussenfront Raum zu geben.

weiterlesen

Eröffnung Tatort Stadion 2 / Heinrich Czerkus Lauf

Der diesjährige Karfreitag – für viele BVB-Fans aufgrund des Heinrich-Czerkus-Laufes ein fester Termin im Kalender – wurde in der vergangenen Woche zusätzlich mit der Eröffnung der Ausstellung “Tatort Stadion 2” bereichert. Obwohl der offizielle Teil erst um halb 12 beginnen sollte, hatten sich schon viele Interessierte mit Öffnung des BORUSSEUM eingefunden, um sich die unterschiedlichen Stellwände und Exponate anzuschauen. Die Ausstellung stellt in verschiedenen Bereichen diverse Arten von Diskriminierung vor, wie z.B. Sexismus, Homophobie, Alltagsrassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus. Andere Bereiche beschäftigen sich mit den Akteuren wie der organisierten rechten Szene, Hooligans, dem DFB oder den Medien und auch die Position von Ultras wird hier beleuchtet. Interessierten Besucher_innen werden eine Reihe von Fotos auffallen, mit denen die Ausstellung ergänzt wurde, die positive und negative Vorfälle in Dortmund zeigen.
Als Dr. Rauball sowie ein Vertreter von ballspiel.vereint! um halb 12 die Ausstellung eröffneten, waren die Räume des BORUSSEUM sehr gut gefüllt. Dr. Rauball sprach auf einer persönlichen Ebene, er betonte, wie sich juristische und gesellschaftliche Verhältnisse seit den 70er Jahren geändert und zum Besseren hin gewandelt haben, außerdem betonte er als Präsident des Vereins zugleich, dass er erfreut sei, die Ausstellung in Dortmund zu sehen und machte deutlich, dass auch Borussia Dortmund sich seiner Verantwortung bewusst sei. Neben der Ausrichtung der Arbeit der Fanbetreuer, die sich vermehrt dem Thema Anti-Diskriminierung widmen, hat sich der e.V. dazu entschlossen, einen organisierten Neonazikader aus dem Verein auszuschließen. Sicherlich nur ein kleiner Schritt, den Zuhörer_innen dürfte aber deutlich geworden sein, dass sich der BVB endlich bewusst ist, dass er handeln muss und dies auch anfängt zu tun.
Dies stellt ebenfalls der Verteter von ballspiel.vereint! heraus. In seiner Rede wurde darauf eingegangen, warum die Ausstellung nach Dortmund geholt wurde und welche Absicht mit ihr verfolgt wird. Auch wenn in den letzten Jahren die Sensibilität für Diskriminierung im Stadion-Umfeld gestiegen ist und es dadurch auch zu weniger Ausfällen gekommen ist, gibt es nach wie vor genügend negative Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Durch die Ausstellung soll zur Thematik weiterhin informiert und aufgeklärt werden. Des Weiteren ging in der Rede noch ein Dank für die Zusammenarbeit an das BORUSSEUM und die Stiftung „leuchte auf“, die uns tatkräftig unterstützt haben. Auch an das Bündnis Dortmund gegen Rechts, welches die Wanderausstellung ebenfalls nach Dortmund holen wollte, ging ein Gruß. Das Bündnis organisiert nun den Vortrag “Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball” von Gerd Dembowski, der im Pressekonferenzraum im Westfalenstadion stattfinden wird. Beginn ist am Donnerstag, den 24.04.2014 um 19:09 Uhr. Ebenfalls wurde das boat people project dankend genannt, welches am Freitag, den 25.04.2014, ebenfalls um 19:09 Uhr das Theaterstück “Steh deinen Mann” im KCR Dortmund (Braunschweiger Str. 22) aufführen wird.
Die Ausstellung kann noch bis zum 28.04. im BORUSSEUM besucht werden, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist frei, wenn ihr ausschließlich diese besuchen wollt. Wer zusätzlich das BORUSSEUM oder die Stadiontour sehen möchte, zahlt dafür den üblichen Preis.

Nach der Eröffnung der Ausstellung folgte nun zum 10. Mal der Heinrich-Czerkus-Lauf. Rund 250-300 Wanderer machten sich um 13 Uhr auf den Gedenkmarsch in die Bittermark. Mittlerweile hat sich hier ein gewisser Stamm herausgebildet, aber von Jahr zu Jahr kommen neue junge BVB-Fans hinzu, um an dem Gedenklauf teilzunehmen. In der Bittermark selbst gesellten sich neben den Wanderern auch diejenigen dazu, die die Strecke gejoggt oder mit dem Rad gefahren waren, um den Reden und den Kranzniederlegungen zu folgen. Der Heinrich-Czerkus-Lauf endet in der Bittermark, wo traditionell eine große Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund stattfindet. Diese erinnert an die Opfer der sogenannten Karfreitagsmorde der Nationalsozialisten (am Karfreitag 1945, kurz vor Kriegsende). Opfer der Karfreitagsmorde wurden neben Heinrich Czerkus auch die Borussen Fritz Weller und Franz Hippler.