Nachbetrachtung des Vortrags von Gerd Dembowski

„Es gibt in Dortmund eine antirassistische Tradition, die man hochhalten kann“, sagt Gerd Dembowski. Im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion“ hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts den Soziologen und Fanforscher nach Dortmund geholt. Zu seinem Vortrag im Presseraum des BVB sind über 85 Menschen gekommen, um zu hören, was Dembowski über das Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“ zu sagen hat. Und das klingt für die Vergangenheit sehr positiv. Stadiondurchsagen und Gesänge beim BVB gegen die Pogrome gegen Asylsuchende in Deutschland waren Auslöser für die erste Toleranz-Kampagne des DFB. Auf dem dazugehörigen Plakaten zu „Mein Freund ist Ausländer“ posierten mit den Dortmunder Spielern Stefan Reuter und Stéphane Chapuisat überwiegend Borussen. Darum spricht sich Dembowski dafür aus, diese positiven Dinge aus der BVB-Geschichte stark zu machen und nicht immer nur der Borussenfront Raum zu geben.

Dass diese antirassistische Tradition weder in Dortmund, noch in anderen Stadien konsequent weitergeführt wird, zeigen die vielen Negativbeispiele, die Dembowski anhand von Fotos anführt. Doch der BVB versucht aktuell diesen Faden wieder aufzunehmen: Als Mitglied der Kofas, Kompetenzgruppe “Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit”, berät Dembowski zusammen mit seinen Kollegen von der Uni Hannover den BVB. Titel des Projekts: Rechtsradikale Instrumentalisierung von Fangruppen bei Borussia Dortmund.

Pointiert und verständlich präsentiert Dembowski seine Forschungsergebnisse. Ausführlich geht der Soziologe auf die Mechanismen von Diskriminierung ein. Was wird als Diskriminierung anerkannt? Und warum scheinen manche Diskriminierungsformen in der Gesellschaft deutlicher als Problem wahrgenommen zu werden als andere? Nach diesen Überlegungen schlägt Dembowski den Bogen zurück zum Fußball: Das Freund-Feind-Denken, die klare Unterteilung in „Wir“ und „die Anderen“ und gleichzeitig „der Schutzmantel des unpolitisch sein unter dem symbolischen Vereinsdach“ lassen im Stadion auch Menschen diskriminierend handeln, die sich selbst eigentlich für weltoffen halten. Gemeinsame Feindbilder wie die gegnerische Mannschaft, die Polizei oder DFB schweißen die Gemeinschaft zusammen und sorgen damit für eine größere Akzeptanz für etwa rassistische, homophobe oder sexistische Äußerungen. Leute, die sich für Zivilcourage einsetzten und sich gegen die Aussagen stellen, gelten im Fußball schnell als Nestbeschmutzer.

Doch Fans, Initiativen, Fanprojekte oder auch der DFB versuchen oftmals dieses Bild zu ändern. Über Aktionen, Spruchbänder oder Kampagnen möchten sie Aufmerksamkeit für diese Probleme schaffen. Gerade für die Arbeit der Fanprojekte schlug Dembowski ein sehr interessantes Konzept vor: „Warum steckt man Geld immer in potentielle Täter?“ Lieber solle man an dieser Stelle in Zivilcouragierte investieren und für sie als Anlaufpunkt dienen.

Auch wir als ballspiel.vereint! versuchen immer wieder Stellung zu beziehen. Beispielweise sprechen wir Menschen an, die sich diskriminierend äußern. Wer sich gegen Rufe wie „Jude“ oder „Schwuchtel“ einsetzt ist kein Nestbeschmutzer. Im Gegenteil, all diese Menschen sorgen dafür, dass das „BVB-wir“ immer größer werden kann, weil sich keiner aufgrund seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts ausgegrenzt fühlt. Helft uns auf diesem Weg, zeigt euch couragiert und sorgt damit dafür, dass jeder die Möglichkeit hat, unseren BVB zu unterstützen.

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