Amedspor – Geschichte eines kurdischen Fußballvereins | Bericht zum Vortrag

Am vergangenen Montag erwartete die Besucher des Rekorders in der Dortmunder Nordstadt eine ungewöhnliche Veranstaltung. Fans vom türkischen Drittligisten Amedspor reisen derzeit auf Einladung eines deutschen Soli-Teams durch Deutschland, um auf die prekäre Situation kurdischer Fußballfans und kurdischer Menschen im Allgemeinen innerhalb der Türkei aufmerksam zu machen. Einer der Zwischenstopps dieser Soli-Tour war diese Woche auch Dortmund.

Amedspor ist ein noch relativ junger Verein, der während der Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK entstanden ist. In dieser leichten Entspannungsphase erhielten die Kurd*innen in der Türkei einige – für deutsche Verhältnisse völlig selbstverständliche – Freiheiten. Dazu gehörte auch, dass in Diyarbakır ein Fußballverein gegründet werden konnte, der den kurdischen Namen der Stadt (Amed) trägt und in rot-grünen Trikots in Anlehnung an die kurdische Freiheitsbewegung auftritt: Amedspor. Dieser, für die meisten Deutschen wohl unbekannte Club, ist nicht nur aufgrund seines Selbstverständnisses als kurdischer „Volksverein“ besonders, sondern auch weil die dazugehörige Fanszene sich den Kampf gegen Rassismus, Sexismus und andere Diskriminerungsformen auf die Fahnen schreibt. Er ist zwar nicht der einzige kurdische Verein, aber der mit Abstand populärste und erfolgreichste.

In den vergangenen Jahren ist der Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Bevölkerung wieder eskaliert. Einer der traurigen Höhepunkt der erneuten Eskalation stellt sicherlich die mehrwöchige militärische Belagerung und Zerstörung der Altstadt Ameds bzw. Diyarbakırs in den Jahren 2015 und 2016 dar. Im Zuge der neuen Repressionswelle stehen auch kurdische Vereine wie Amedspor stark unter Druck: Gelder für Amedspor werden gestrichen und Sponsoren werden eingeschüchtert. Auch deshalb ist die Idee dieser Soli-Tour entstanden.

Der Rekorder war mit ca. 60 Besucher*innen gut gefüllt. Zusammen mit einem Dolmetscher und einem Begleiter des deutschen Soli-Teams schilderten zwei Fans von Amedspor die Situation ihres Vereins. Sie sprachen über Rassismus und Übergriffe bei Auswärtsfahrten, Repressionen seitens der türkischen (Polizei-)Behörden, aber auch von schöneren Aspekten des Vereinslebens wie der guten Entwicklung der Frauenmannschaft in der ersten türkischen Liga und von einem wachsenden Zuschauerschnitt.

Der Vortrag entwickelte sich relativ schnell zu einer breiten Fragerunde, bei der quer durch das gesamte Publikum ein reges Interesse an den Verhältnissen im türkischen Fußball und dem Alltag der Fans und Vereinsangehörigen bestand. Die beiden Fans von Amedspor, die auch aufgrund von Ausreiseverboten in kleinerer Anzahl vor Ort waren als geplant, antworteten geduldig und zeigten zwischendurch immer wieder Videoaufnahmen von Spielen, die einen guten Einblick in das Vereinsleben von Amedspor ermöglichten.

Vieles was an diesem Abend erzählt wurde, war für das Dortmunder Publikum unvorstellbar. Dazu gehören vermeintlich kleine Probleme, wie etwa, dass 19 Anläufe nötig waren, um einen Fanclub gründen zu dürfen oder die Berichte von regelmäßigen rassistischen Schmähungen seitens türkischer Heimfans bei Auswärtsspielen. Auch wurde der Verein vor die Wahl gestellt, ob er seinen kurdischen Namen Amedspor behalten oder weiterhin die Farben der kurdischen Flagge (Rot-Gelb-Grün) tragen möchte. Der neue Vereinsname hätte den türkischen Namen der Stadt, also Diyarbakır anstatt Amed, enthalten müssen. Es wurde sich dafür entschieden den Namen zu behalten und das Gelb der Vereinsfarben gegen Weiß zu tauschen. Darüber hinaus wurde aber beispielsweise auch von einem Fall berichtet, bei dem ein junger Mann aufgrund eines Amedspor-Pullovers von einer türkischen Universität geflogen ist oder, dass ein Vereinsmitarbeiter bei einem Auswärtsspiel auf der Pressetribüne fast totgeschlagen wurde.

Das Publikum reagierte auf der einen Seite entsetzt aufgrund der unfassbaren Verhältnisse und auf deren anderen Seite beeindruckt von dem Mut mit dem Amedspor von seinen Anhänger*innen am Leben gehalten wird. Die am Montag geschilderten Eindrücke haben viele von uns bis jetzt nicht losgelassen. Wir sind dankbar, dass wir diese Veranstaltung ausrichten durften und wir wünschen den Menschen von Amedspor weiterhin viel Kraft auf ihrem Weg. Das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Kurd*innen, die sich in der Türkei Repressionen ausgesetzt sehen oder für ihren Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt kämpfen.

Her biji Amed!

Ein herzliches Dankeschön geht an die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, die uns bei der Finanzierung der Veranstaltung unterstützt hat.

Rückblick Ausstellung Fan.tastic Females

Die Ausstellung Fan.tastic Females wurde vom 15. November bis zum 17. Dezember 2018 in Dortmund im BORUSSEUM gezeigt. Wir bedanken uns hiermit noch einmal bei dem BORUSSEUM für die Unterstützung und bei allen Besucher*innnen für ihr Interesse. Wir hoffen, ihr hattet Spaß und konntet einen guten Einblick in die unterschiedlichen Facetten weiblicher Fankultur gewinnen.

Wer an Hintergrundinformationen zur Ausstellung interessiert ist, dem empfehlen wir den Podcast „Auffen Punkt“ von schwatzgelb.de. Hier werden Antje Grabenhorst (Projektkoordinatorin) und Ramona Steding (portraitierter BVB-Fan) über die Beweggründe, Inhalt und Entstehungsgeschichte des Projekts interviewt.
Auffen Punkt 19 – Fan.tastic Females

Weitere Informationen (u.a. zu den nächsten Stationen der Ausstellung) findet ihr außerdem unter:
https://www.fan-tastic-females.org

Bericht: Ultras – Wo Männer gemacht werden

Der Journalist und Geschlechterforscher Simon Volpers referierte auf Einladung von ballspiel.vereint! vor knapp 40 Leuten im Medienzentrum des Westfalenstadions zum Titel „Ultras – Wo Männer gemacht werden“. In seinem Vortrag widmete Volpers sich der Fragestellung, warum gerade junge Männer von dem Geschehen in Fankurven und Ultragruppen angezogen werden. Es sollte also geklärt werden, welchen Reiz die Fan- und Ultrakultur ausübt und inwiefern dieser Reiz sich auch durch Geschlechteridentitäten erklären lässt.

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Aktionsspieltag gegen Homophobie

Beim vergangenen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt initiierten wir in Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund einen Aktionsspieltag gegen Homophobie. Bestandteil dessen war unter anderem ein großes „Gemeinsam gegen Homophobie“-Banner auf der Westtribüne, bei deren Erstellung sich im Rahmen des BVB-Aktionstages wieder zahlreiche interessierte Fans beteiligt haben. Dazu zeigten verschiedene Fanclubs auf Süd-, West- und Osttribüne folgende Spruchbänder: “Love Borussia – Hate Homophobia”, “Sexualität? Alles was zählt ist Mentalität”,
“Rakkaus” (Finnisch für “Liebe”), “Rassismus und Sexismus ausschalten”, “Echte Liebe kennt kein Geschlecht”, “Lieb doch die Borussin die du willst” (Westtribüne) und “Lieb doch den Borussen den du willst” (Osttribüne).
Außerdem liefen die Mannschaften unter regenbogenfarbenen Luftballons ein und die klassischen Eckfahnen wurden durch Regenbogenfahnen ersetzt. Kurz vor dem Anpfiff erklärte Stadionsprecher Norbert Dickel den Aktionsspielspieltag, während auf den Anzeigetafeln und LED-Banden passende Grafiken eingeblendet wurden und bekam dafür lauten Applaus des Westfalenstadions. Aufgrund der Umstände soll hier noch einmal kurz erwähnt werden, dass die Aktionen in keinem Zusammenhang mit den Vorfällen rund um das Monacospiel stehen. Der Aktionsspieltag wurde im Vorfeld bereits einmal verschoben und lange geplant. Die damit entstandenen Bilder können aber trotzdem als Ansage verstanden werden, weiter für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzustehen.

Neues Graffiti unter der Südtribüne!

Im Rahmen des ersten BVB-Aktionstags organisierten wir einen Graffiti Workshop. Zu Beginn begrüßten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und übergaben dann das Wort an die engagierten Maler.

Gemeinsam wurden die ersten Vorkenntnisse erfragt und vermittelt, sowie Ideen für ein Motiv gesammelt. So waren beispielsweise die Rote Karte mit dem Schriftzug „Nazis raus!“, das „U“ als das Dortmunder U darzustellen und der große Schriftzug „Borussia verbindet“ Wünsche die erfüllt werden konnten. Ebenso konnte der Einwand berücksichtigt werden, sich nicht nur auf Nazis zu konzentrieren, die ja nur die Spitze des Diskriminierungseisbergs sind. Die Regenbogenfahne im Wort „verbindet“ weist also auch auf durchaus noch vorhandene Probleme beim Thema „Homophobie“ hin. Im Gesamtbild zeigt sich eine bunte, einladende und verbindende Borussia, in der einzig diejenigen ausgeschlossen werden, die genau diese Verbindung zwischen uns, egal woher wir kommen oder wen wir lieben, nicht wollen.

Neben dem Graffiti, das sich auf der Verteilerebene der Südtribüne im Aufgang zu den Blöcken 82/83 befindet, haben wir auch eine Folie gespannt, auf der unerfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste Erfahrungen im Umgang mit Sprühdosen machen konnten. Geübtere Hände halfen auch direkt einzelne Flächen an der großen Wand zu füllen. Insgesamt freuen wir uns sehr über den Anklang, den der Workshop gefunden hat. Es ist ein gemeinsam entworfenes und umgesetztes Bild von sehr interessierten BVB Fans.

Vielen Dank an die Maler, allen die am Workshop teilgenommen haben und den BVB für die gelungene Zusammenarbeit!

Bericht: Vortrag und Diskussion „Schwule Fotzen?! Sexismus, Homophobie und Selbstermächtigung“

Am Freitag, dem 10. Februar 2017, luden wir Antje Grabenhorst mit ihrem Vortrag „Schwule Fotzen?! Sexismus, Homophobie und Selbstermächtigung im Fußball“ ins nagelneue Medienzentrum im Westfalenstadion ein. Etwa 30 Menschen folgten der Einladung ebenfalls. In ihrer kurzen Einleitung wies die Referentin, selbst in einer Ultragruppe beheimatet, darauf hin, dass der Fokus des Vortrags auf der Ultra-Bewegung liege, obwohl Hooligans in diesem Themenfeld ebenfalls spannend seien.

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Second-Fan-Shirt: Erste Spendenerlöse übergeben

Das „Bündnis Aktiver Fußball-Fans“ (BAFF) hatte im Oktober vergangenen Jahres dazu aufgerufen alte Fanutensilien zu sammeln, um diese dann bei eBay zu verkaufen. ballspiel.vereint! hatte in Kooperation mit der Fanabteilung die Organisation der Aktionen rund um Heimspiele von Borussia Dortmund im Westfalenstadion übernommen und viele BorussInnen nutzten die Gelegenheit alte Schätze und längst vergessene Staubfänger für den guten Zweck abzugeben. Von dem Erlös der Schals, Trikots und Fahnen sollten Projekte unterstützt werden, die geflüchtete Menschen unterstützen. Mit 2.000 Euro, die auf diese Art und Weise zusammen gekommen sind, wurden nun Leipziger Initiativen mit Vorbildcharakter supportet.

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Jahresrückblick 2014

Von Gedenkstättenfahrten und einer Ausstellung im BORUSSEUM bis hin zu vielfältige Aktionen im Rahmen der FARE-Wochen: Das Jahr 2014 aus der Sicht von ballspiel.vereint!

Los ging es am 27. Januar traditionell mit dem „Tag gegen das Vergessen“ im BORUSSEUM, an dem auch Mitglieder von b.v! teilnahmen. Am diesem Tag im Jahre 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Zusammen mit der BVB-Stiftung „Leuchte Auf“, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten organisierte das BORUSSEUM einen gleichsam interessanten wie kurzweiligen Abend. So schilderten zwei Teilnehmer ihre Eindrücke der letztjährigen Gedenkstättenfahrten und BVB-Archivar Gerd Kolbe skizzierte die Geschichte des jungen Dortmunders Karl Büttner zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Im Februar wurde es digital: Unter www.ballspielvereint.org lassen sich seither alle Infos rund um b.v! im Netz finden. Parallel dazu kann man uns auch bei Facebook und Twitter folgen. Ein paar Wochen später folgte ein ausführliches Interview mit dem Fanzine schwatzgelb.de (hier nachzulesen). Darin ging es um die Ziele und Motive der Initiative, die Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus im Umfeld des BVB, sowie um Aktionen, die im Laufe des Jahres noch folgen sollten.

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Nachbetrachtung des Vortrags von Gerd Dembowski

„Es gibt in Dortmund eine antirassistische Tradition, die man hochhalten kann“, sagt Gerd Dembowski. Im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion“ hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts den Soziologen und Fanforscher nach Dortmund geholt. Zu seinem Vortrag im Presseraum des BVB sind über 85 Menschen gekommen, um zu hören, was Dembowski über das Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“ zu sagen hat. Und das klingt für die Vergangenheit sehr positiv. Stadiondurchsagen und Gesänge beim BVB gegen die Pogrome gegen Asylsuchende in Deutschland waren Auslöser für die erste Toleranz-Kampagne des DFB. Auf dem dazugehörigen Plakaten zu „Mein Freund ist Ausländer“ posierten mit den Dortmunder Spielern Stefan Reuter und Stéphane Chapuisat überwiegend Borussen. Darum spricht sich Dembowski dafür aus, diese positiven Dinge aus der BVB-Geschichte stark zu machen und nicht immer nur der Borussenfront Raum zu geben.

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