Bericht: Ultras – Wo Männer gemacht werden

Der Journalist und Geschlechterforscher Simon Volpers referierte auf Einladung von ballspiel.vereint! vor knapp 40 Leuten im Medienzentrum des Westfalenstadions zum Titel „Ultras – Wo Männer gemacht werden“. In seinem Vortrag widmete Volpers sich der Fragestellung, warum gerade junge Männer von dem Geschehen in Fankurven und Ultragruppen angezogen werden. Es sollte also geklärt werden, welchen Reiz die Fan- und Ultrakultur ausübt und inwiefern dieser Reiz sich auch durch Geschlechteridentitäten erklären lässt.

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Aktionsspieltag gegen Homophobie

Beim vergangenen Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt initiierten wir in Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund einen Aktionsspieltag gegen Homophobie. Bestandteil dessen war unter anderem ein großes „Gemeinsam gegen Homophobie“-Banner auf der Westtribüne, bei deren Erstellung sich im Rahmen des BVB-Aktionstages wieder zahlreiche interessierte Fans beteiligt haben. Dazu zeigten verschiedene Fanclubs auf Süd-, West- und Osttribüne folgende Spruchbänder: “Love Borussia – Hate Homophobia”, “Sexualität? Alles was zählt ist Mentalität”,
“Rakkaus” (Finnisch für “Liebe”), “Rassismus und Sexismus ausschalten”, “Echte Liebe kennt kein Geschlecht”, “Lieb doch die Borussin die du willst” (Westtribüne) und “Lieb doch den Borussen den du willst” (Osttribüne).
Außerdem liefen die Mannschaften unter regenbogenfarbenen Luftballons ein und die klassischen Eckfahnen wurden durch Regenbogenfahnen ersetzt. Kurz vor dem Anpfiff erklärte Stadionsprecher Norbert Dickel den Aktionsspielspieltag, während auf den Anzeigetafeln und LED-Banden passende Grafiken eingeblendet wurden und bekam dafür lauten Applaus des Westfalenstadions. Aufgrund der Umstände soll hier noch einmal kurz erwähnt werden, dass die Aktionen in keinem Zusammenhang mit den Vorfällen rund um das Monacospiel stehen. Der Aktionsspieltag wurde im Vorfeld bereits einmal verschoben und lange geplant. Die damit entstandenen Bilder können aber trotzdem als Ansage verstanden werden, weiter für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzustehen.

Neues Graffiti unter der Südtribüne!

Im Rahmen des ersten BVB-Aktionstags organisierten wir einen Graffiti Workshop. Zu Beginn begrüßten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und übergaben dann das Wort an die engagierten Maler.

Gemeinsam wurden die ersten Vorkenntnisse erfragt und vermittelt, sowie Ideen für ein Motiv gesammelt. So waren beispielsweise die Rote Karte mit dem Schriftzug „Nazis raus!“, das „U“ als das Dortmunder U darzustellen und der große Schriftzug „Borussia verbindet“ Wünsche die erfüllt werden konnten. Ebenso konnte der Einwand berücksichtigt werden, sich nicht nur auf Nazis zu konzentrieren, die ja nur die Spitze des Diskriminierungseisbergs sind. Die Regenbogenfahne im Wort „verbindet“ weist also auch auf durchaus noch vorhandene Probleme beim Thema „Homophobie“ hin. Im Gesamtbild zeigt sich eine bunte, einladende und verbindende Borussia, in der einzig diejenigen ausgeschlossen werden, die genau diese Verbindung zwischen uns, egal woher wir kommen oder wen wir lieben, nicht wollen.

Neben dem Graffiti, das sich auf der Verteilerebene der Südtribüne im Aufgang zu den Blöcken 82/83 befindet, haben wir auch eine Folie gespannt, auf der unerfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste Erfahrungen im Umgang mit Sprühdosen machen konnten. Geübtere Hände halfen auch direkt einzelne Flächen an der großen Wand zu füllen. Insgesamt freuen wir uns sehr über den Anklang, den der Workshop gefunden hat. Es ist ein gemeinsam entworfenes und umgesetztes Bild von sehr interessierten BVB Fans.

Vielen Dank an die Maler, allen die am Workshop teilgenommen haben und den BVB für die gelungene Zusammenarbeit!

Bericht: Vortrag und Diskussion „Schwule Fotzen?! Sexismus, Homophobie und Selbstermächtigung“

Am Freitag, dem 10. Februar 2017, luden wir Antje Grabenhorst mit ihrem Vortrag „Schwule Fotzen?! Sexismus, Homophobie und Selbstermächtigung im Fußball“ ins nagelneue Medienzentrum im Westfalenstadion ein. Etwa 30 Menschen folgten der Einladung ebenfalls. In ihrer kurzen Einleitung wies die Referentin, selbst in einer Ultragruppe beheimatet, darauf hin, dass der Fokus des Vortrags auf der Ultra-Bewegung liege, obwohl Hooligans in diesem Themenfeld ebenfalls spannend seien.

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Second-Fan-Shirt: Erste Spendenerlöse übergeben

Das „Bündnis Aktiver Fußball-Fans“ (BAFF) hatte im Oktober vergangenen Jahres dazu aufgerufen alte Fanutensilien zu sammeln, um diese dann bei eBay zu verkaufen. ballspiel.vereint! hatte in Kooperation mit der Fanabteilung die Organisation der Aktionen rund um Heimspiele von Borussia Dortmund im Westfalenstadion übernommen und viele BorussInnen nutzten die Gelegenheit alte Schätze und längst vergessene Staubfänger für den guten Zweck abzugeben. Von dem Erlös der Schals, Trikots und Fahnen sollten Projekte unterstützt werden, die geflüchtete Menschen unterstützen. Mit 2.000 Euro, die auf diese Art und Weise zusammen gekommen sind, wurden nun Leipziger Initiativen mit Vorbildcharakter supportet.

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Jahresrückblick 2014

Von Gedenkstättenfahrten und einer Ausstellung im BORUSSEUM bis hin zu vielfältige Aktionen im Rahmen der FARE-Wochen: Das Jahr 2014 aus der Sicht von ballspiel.vereint!

Los ging es am 27. Januar traditionell mit dem „Tag gegen das Vergessen“ im BORUSSEUM, an dem auch Mitglieder von b.v! teilnahmen. Am diesem Tag im Jahre 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Zusammen mit der BVB-Stiftung „Leuchte Auf“, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten organisierte das BORUSSEUM einen gleichsam interessanten wie kurzweiligen Abend. So schilderten zwei Teilnehmer ihre Eindrücke der letztjährigen Gedenkstättenfahrten und BVB-Archivar Gerd Kolbe skizzierte die Geschichte des jungen Dortmunders Karl Büttner zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Im Februar wurde es digital: Unter www.ballspielvereint.org lassen sich seither alle Infos rund um b.v! im Netz finden. Parallel dazu kann man uns auch bei Facebook und Twitter folgen. Ein paar Wochen später folgte ein ausführliches Interview mit dem Fanzine schwatzgelb.de (hier nachzulesen). Darin ging es um die Ziele und Motive der Initiative, die Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus im Umfeld des BVB, sowie um Aktionen, die im Laufe des Jahres noch folgen sollten.

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Nachbetrachtung des Vortrags von Gerd Dembowski

„Es gibt in Dortmund eine antirassistische Tradition, die man hochhalten kann“, sagt Gerd Dembowski. Im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion“ hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts den Soziologen und Fanforscher nach Dortmund geholt. Zu seinem Vortrag im Presseraum des BVB sind über 85 Menschen gekommen, um zu hören, was Dembowski über das Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“ zu sagen hat. Und das klingt für die Vergangenheit sehr positiv. Stadiondurchsagen und Gesänge beim BVB gegen die Pogrome gegen Asylsuchende in Deutschland waren Auslöser für die erste Toleranz-Kampagne des DFB. Auf dem dazugehörigen Plakaten zu „Mein Freund ist Ausländer“ posierten mit den Dortmunder Spielern Stefan Reuter und Stéphane Chapuisat überwiegend Borussen. Darum spricht sich Dembowski dafür aus, diese positiven Dinge aus der BVB-Geschichte stark zu machen und nicht immer nur der Borussenfront Raum zu geben.

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Eröffnung Tatort Stadion 2 / Heinrich Czerkus Lauf

Der diesjährige Karfreitag – für viele BVB-Fans aufgrund des Heinrich-Czerkus-Laufes ein fester Termin im Kalender – wurde in der vergangenen Woche zusätzlich mit der Eröffnung der Ausstellung “Tatort Stadion 2” bereichert. Obwohl der offizielle Teil erst um halb 12 beginnen sollte, hatten sich schon viele Interessierte mit Öffnung des BORUSSEUM eingefunden, um sich die unterschiedlichen Stellwände und Exponate anzuschauen. Die Ausstellung stellt in verschiedenen Bereichen diverse Arten von Diskriminierung vor, wie z.B. Sexismus, Homophobie, Alltagsrassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus. Andere Bereiche beschäftigen sich mit den Akteuren wie der organisierten rechten Szene, Hooligans, dem DFB oder den Medien und auch die Position von Ultras wird hier beleuchtet. Interessierten Besucher_innen werden eine Reihe von Fotos auffallen, mit denen die Ausstellung ergänzt wurde, die positive und negative Vorfälle in Dortmund zeigen.
Als Dr. Rauball sowie ein Vertreter von ballspiel.vereint! um halb 12 die Ausstellung eröffneten, waren die Räume des BORUSSEUM sehr gut gefüllt. Dr. Rauball sprach auf einer persönlichen Ebene, er betonte, wie sich juristische und gesellschaftliche Verhältnisse seit den 70er Jahren geändert und zum Besseren hin gewandelt haben, außerdem betonte er als Präsident des Vereins zugleich, dass er erfreut sei, die Ausstellung in Dortmund zu sehen und machte deutlich, dass auch Borussia Dortmund sich seiner Verantwortung bewusst sei. Neben der Ausrichtung der Arbeit der Fanbetreuer, die sich vermehrt dem Thema Anti-Diskriminierung widmen, hat sich der e.V. dazu entschlossen, einen organisierten Neonazikader aus dem Verein auszuschließen. Sicherlich nur ein kleiner Schritt, den Zuhörer_innen dürfte aber deutlich geworden sein, dass sich der BVB endlich bewusst ist, dass er handeln muss und dies auch anfängt zu tun.
Dies stellt ebenfalls der Verteter von ballspiel.vereint! heraus. In seiner Rede wurde darauf eingegangen, warum die Ausstellung nach Dortmund geholt wurde und welche Absicht mit ihr verfolgt wird. Auch wenn in den letzten Jahren die Sensibilität für Diskriminierung im Stadion-Umfeld gestiegen ist und es dadurch auch zu weniger Ausfällen gekommen ist, gibt es nach wie vor genügend negative Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Durch die Ausstellung soll zur Thematik weiterhin informiert und aufgeklärt werden. Des Weiteren ging in der Rede noch ein Dank für die Zusammenarbeit an das BORUSSEUM und die Stiftung „leuchte auf“, die uns tatkräftig unterstützt haben. Auch an das Bündnis Dortmund gegen Rechts, welches die Wanderausstellung ebenfalls nach Dortmund holen wollte, ging ein Gruß. Das Bündnis organisiert nun den Vortrag “Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball” von Gerd Dembowski, der im Pressekonferenzraum im Westfalenstadion stattfinden wird. Beginn ist am Donnerstag, den 24.04.2014 um 19:09 Uhr. Ebenfalls wurde das boat people project dankend genannt, welches am Freitag, den 25.04.2014, ebenfalls um 19:09 Uhr das Theaterstück “Steh deinen Mann” im KCR Dortmund (Braunschweiger Str. 22) aufführen wird.
Die Ausstellung kann noch bis zum 28.04. im BORUSSEUM besucht werden, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist frei, wenn ihr ausschließlich diese besuchen wollt. Wer zusätzlich das BORUSSEUM oder die Stadiontour sehen möchte, zahlt dafür den üblichen Preis.

Nach der Eröffnung der Ausstellung folgte nun zum 10. Mal der Heinrich-Czerkus-Lauf. Rund 250-300 Wanderer machten sich um 13 Uhr auf den Gedenkmarsch in die Bittermark. Mittlerweile hat sich hier ein gewisser Stamm herausgebildet, aber von Jahr zu Jahr kommen neue junge BVB-Fans hinzu, um an dem Gedenklauf teilzunehmen. In der Bittermark selbst gesellten sich neben den Wanderern auch diejenigen dazu, die die Strecke gejoggt oder mit dem Rad gefahren waren, um den Reden und den Kranzniederlegungen zu folgen. Der Heinrich-Czerkus-Lauf endet in der Bittermark, wo traditionell eine große Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund stattfindet. Diese erinnert an die Opfer der sogenannten Karfreitagsmorde der Nationalsozialisten (am Karfreitag 1945, kurz vor Kriegsende). Opfer der Karfreitagsmorde wurden neben Heinrich Czerkus auch die Borussen Fritz Weller und Franz Hippler.

Stadtgespräch erfüllt die Erwartungen: nichts Neues!

Der Radiosender WDR 5 lud am 11. März 2014 ins Harenberg-City-Center (HCC) in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Wer bändigt die Hooligans? Damit der Fußball wieder Spaß macht” ein. Zu Gast waren neben dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke, dem Journalisten und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, Judith von der Heyde, ihres Zeichens Wissenschaftlerin, auch Ralf Jäger, der Innenminister von NRW sowie Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz.

Das HCC war bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass einige Gäste die Podiumsdiskussion, die unter reger Beteiligung der anwesenden Zuschauer_innen stattfand, nur aus dem Vorraum verfolgen konnten. Neben etlichen BVB-Fans, Ultras und anderen Interessierten, fand sich auch ein sehr großes Aufgebot an Verfassungsschützer_innen und Polizist_innen im Publikum. Leider hielt es der WDR dennoch nicht für nötig, die rund sieben ebenfalls anwesenden Mitglieder des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund” des Saals zu verweisen, obwohl BVB-Fans auf diesen Missstand wiederholt hinwiesen und auch der anwesenden Polizei sowie den Angestellten des Innenministeriums die Personen nicht fremd seien dürften.

Hier wäre der klassische Gebrauch des Hausrechts, seitens des Veranstalters, angebracht gewesen. Dafür hätte der WDR jedoch bereits im Vorfeld darauf hinweisen müssen, dass gewisse Personenkreise (wie z.B. Mitglieder verbotener Organisationen) von der Veranstaltungseinladung ausgeschlossen sind. Daran hat der WDR leider nicht gedacht, dafür jedoch an intensive Einlasskontrollen, die auch das Abtasten der Kleidung und Taschenkontrollen beinhalteten.
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