Eröffnung Tatort Stadion 2 / Heinrich Czerkus Lauf

Der diesjährige Karfreitag – für viele BVB-Fans aufgrund des Heinrich-Czerkus-Laufes ein fester Termin im Kalender – wurde in der vergangenen Woche zusätzlich mit der Eröffnung der Ausstellung “Tatort Stadion 2” bereichert. Obwohl der offizielle Teil erst um halb 12 beginnen sollte, hatten sich schon viele Interessierte mit Öffnung des BORUSSEUM eingefunden, um sich die unterschiedlichen Stellwände und Exponate anzuschauen. Die Ausstellung stellt in verschiedenen Bereichen diverse Arten von Diskriminierung vor, wie z.B. Sexismus, Homophobie, Alltagsrassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus. Andere Bereiche beschäftigen sich mit den Akteuren wie der organisierten rechten Szene, Hooligans, dem DFB oder den Medien und auch die Position von Ultras wird hier beleuchtet. Interessierten Besucher_innen werden eine Reihe von Fotos auffallen, mit denen die Ausstellung ergänzt wurde, die positive und negative Vorfälle in Dortmund zeigen.
Als Dr. Rauball sowie ein Vertreter von ballspiel.vereint! um halb 12 die Ausstellung eröffneten, waren die Räume des BORUSSEUM sehr gut gefüllt. Dr. Rauball sprach auf einer persönlichen Ebene, er betonte, wie sich juristische und gesellschaftliche Verhältnisse seit den 70er Jahren geändert und zum Besseren hin gewandelt haben, außerdem betonte er als Präsident des Vereins zugleich, dass er erfreut sei, die Ausstellung in Dortmund zu sehen und machte deutlich, dass auch Borussia Dortmund sich seiner Verantwortung bewusst sei. Neben der Ausrichtung der Arbeit der Fanbetreuer, die sich vermehrt dem Thema Anti-Diskriminierung widmen, hat sich der e.V. dazu entschlossen, einen organisierten Neonazikader aus dem Verein auszuschließen. Sicherlich nur ein kleiner Schritt, den Zuhörer_innen dürfte aber deutlich geworden sein, dass sich der BVB endlich bewusst ist, dass er handeln muss und dies auch anfängt zu tun.
Dies stellt ebenfalls der Verteter von ballspiel.vereint! heraus. In seiner Rede wurde darauf eingegangen, warum die Ausstellung nach Dortmund geholt wurde und welche Absicht mit ihr verfolgt wird. Auch wenn in den letzten Jahren die Sensibilität für Diskriminierung im Stadion-Umfeld gestiegen ist und es dadurch auch zu weniger Ausfällen gekommen ist, gibt es nach wie vor genügend negative Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Durch die Ausstellung soll zur Thematik weiterhin informiert und aufgeklärt werden. Des Weiteren ging in der Rede noch ein Dank für die Zusammenarbeit an das BORUSSEUM und die Stiftung „leuchte auf“, die uns tatkräftig unterstützt haben. Auch an das Bündnis Dortmund gegen Rechts, welches die Wanderausstellung ebenfalls nach Dortmund holen wollte, ging ein Gruß. Das Bündnis organisiert nun den Vortrag “Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball” von Gerd Dembowski, der im Pressekonferenzraum im Westfalenstadion stattfinden wird. Beginn ist am Donnerstag, den 24.04.2014 um 19:09 Uhr. Ebenfalls wurde das boat people project dankend genannt, welches am Freitag, den 25.04.2014, ebenfalls um 19:09 Uhr das Theaterstück “Steh deinen Mann” im KCR Dortmund (Braunschweiger Str. 22) aufführen wird.
Die Ausstellung kann noch bis zum 28.04. im BORUSSEUM besucht werden, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist frei, wenn ihr ausschließlich diese besuchen wollt. Wer zusätzlich das BORUSSEUM oder die Stadiontour sehen möchte, zahlt dafür den üblichen Preis.

Nach der Eröffnung der Ausstellung folgte nun zum 10. Mal der Heinrich-Czerkus-Lauf. Rund 250-300 Wanderer machten sich um 13 Uhr auf den Gedenkmarsch in die Bittermark. Mittlerweile hat sich hier ein gewisser Stamm herausgebildet, aber von Jahr zu Jahr kommen neue junge BVB-Fans hinzu, um an dem Gedenklauf teilzunehmen. In der Bittermark selbst gesellten sich neben den Wanderern auch diejenigen dazu, die die Strecke gejoggt oder mit dem Rad gefahren waren, um den Reden und den Kranzniederlegungen zu folgen. Der Heinrich-Czerkus-Lauf endet in der Bittermark, wo traditionell eine große Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund stattfindet. Diese erinnert an die Opfer der sogenannten Karfreitagsmorde der Nationalsozialisten (am Karfreitag 1945, kurz vor Kriegsende). Opfer der Karfreitagsmorde wurden neben Heinrich Czerkus auch die Borussen Fritz Weller und Franz Hippler.

Stadtgespräch erfüllt die Erwartungen: nichts Neues!

Der Radiosender WDR 5 lud am 11. März 2014 ins Harenberg-City-Center (HCC) in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Wer bändigt die Hooligans? Damit der Fußball wieder Spaß macht” ein. Zu Gast waren neben dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke, dem Journalisten und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, Judith von der Heyde, ihres Zeichens Wissenschaftlerin, auch Ralf Jäger, der Innenminister von NRW sowie Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz.

Das HCC war bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass einige Gäste die Podiumsdiskussion, die unter reger Beteiligung der anwesenden Zuschauer_innen stattfand, nur aus dem Vorraum verfolgen konnten. Neben etlichen BVB-Fans, Ultras und anderen Interessierten, fand sich auch ein sehr großes Aufgebot an Verfassungsschützer_innen und Polizist_innen im Publikum. Leider hielt es der WDR dennoch nicht für nötig, die rund sieben ebenfalls anwesenden Mitglieder des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund” des Saals zu verweisen, obwohl BVB-Fans auf diesen Missstand wiederholt hinwiesen und auch der anwesenden Polizei sowie den Angestellten des Innenministeriums die Personen nicht fremd seien dürften.

Hier wäre der klassische Gebrauch des Hausrechts, seitens des Veranstalters, angebracht gewesen. Dafür hätte der WDR jedoch bereits im Vorfeld darauf hinweisen müssen, dass gewisse Personenkreise (wie z.B. Mitglieder verbotener Organisationen) von der Veranstaltungseinladung ausgeschlossen sind. Daran hat der WDR leider nicht gedacht, dafür jedoch an intensive Einlasskontrollen, die auch das Abtasten der Kleidung und Taschenkontrollen beinhalteten.
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„Tag gegen das Vergessen“ im BORUSSEUM

Am 27.Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Der „internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ bot den richtigen Rahmen für eine Veranstaltung, die uns an die Opfer des Holocaust erinnern sollte, und es schaffte die Brücke vor unsere eigene Haustür, hin zum Borsigplatz, hin zur Borussia zu schlagen. Zusammen mit der BVB-Stiftung Leuchte Auf, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten gelang es dem BORUSSEUM einen Abend zu gestalten, der sowohl den gemeinsamen Blick zurück gewährleistete, als auch die Sinne zu schärfen für Gegenwart und Zukunft.

Den Start in den Abend machte Gerd Kolbe ( BVB-Archivar) der, nach einer kurzen aber entschlossenen Einleitung unseres Schatzmeisters Dr. Lunow, die 150 anwesenden Borussen mit auf eine Zeitreise nahm, und die Geschichte des jungen Karl Büttners erzählte. Dieser war im Alter von zehn Jahren von seiner Mutter bei den Kanarienvögeln vom Borsigplatz angemeldet worden, wo auch sein Bruder das runde Leder kickte. Zwar waren die spielerischen Qualitäten des jungen Büttners stark beschränkt, doch das hinderte ihn nicht daran alles für seine Borussia zu geben, und somit war er bereits mit 16 Jahren bei Borussia in Amt und Würde. Was dann folgte, beschreibt stellvertretend die Geschichte einer ganzen Generation von Menschen die für die Nationalisten in einen sinnlosen Krieg zogen. Büttner wurde vom Borsigplatz an die Ostfront kommandiert und war somit dem Leid des Krieges in Gänze ausgesetzt, und es ist nicht auszuschließen das auch er zum Täter wurde. Nach seiner Rückkehr von der Front nach Dortmund, erwartete ihn nicht nur eine völlig zerstörte Stadt, sondern auch eine völlig zerstörte Familie.

Nachdem Gerd Kolbe seinen Vortrag über die Geschichte der Borussen-Familie Büttner beendet hatte, folgte Wilfried Harthan vom Heinrich-Czerkus Fanclub mit dem dritten Teil (im dritten Jahr) der Serie „Widerstandskämpfer beim BVB“. In diesem beschäftigte er sich sehr ausführlich und in wunderbarer Art und Weise mit der Vita des Leichtathlet Fritz Weller. Dieser war nicht nur Vorzeigeathlet bei den Mannen in schwarz-gelb vom Borsigplatz, sondern auch im Arbeitersportbund organisiert. Diejenigen die ihn noch kennen lernen durften, beschreiben ihn als ehrenwerten Sportsmann und als vorzüglichen Handballer. Er schaffte es dank der guten Vernetzung über den Arbeitersportbund den Widerstand im roten Norden der Stadt für lange Zeit aufrecht zu erhalten. In der Widerstandsabteilung 3 (Borsigplatz) organisiert, schaffte er es wiederholt kritische Medien zu verbreiten, und damit dem Meinungsmonopol der Faschisten entgegen zu wirken.

Im weitern Verlauf des Abends ließ der Fanbeauftragte Daniel Lörcher das Jahr 2013 Revue passieren. Dabei sparte er auch unliebsame Themen nicht aus. Seinen Schwerpunkt legte er jedoch auf die Gedenkstättenfahrten mit jungen BVB-Fans und Ultras rund um die Gruppe The Unity. Passend dazu konnten Steffen und Hannah, Teilnehmer_innen in den letzten zwei Jahren, von ihren Erfahrungen berichten, und den Besuchern des BORUSSEUM eindrucksvoll vermitteln, welche Wirkung die Auseinandersetzung mit dem Holocaust vor Ort auf junge Menschen hat. Nicht zuletzt deshalb fühlten sich auch einige ältere Semester direkt dazu berufen ihre Motivation kund zu tun im nächsten Jahr ebenfalls mit auf diese Reise- in die Deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – zu gehen. Beendet wurde die Veranstaltung mit der Verlesung von Texten von Wilhelm Brasse, dem Lagerfotografen in Auschwitz, den Hannah dort 2011 noch vor seinem Tod kennen lernen durfte:

„Ich bin heute hier, um Ihnen meine Geschichte zu erzählen. Denn wenn ich nicht mehr da bin, dann müssen Sie sie weitererzählen.“

„Bleiben Sie kritisch!“