Am 27.Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Der „internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ bot den richtigen Rahmen für eine Veranstaltung, die uns an die Opfer des Holocaust erinnern sollte, und es schaffte die Brücke vor unsere eigene Haustür, hin zum Borsigplatz, hin zur Borussia zu schlagen. Zusammen mit der BVB-Stiftung Leuchte Auf, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten gelang es dem BORUSSEUM einen Abend zu gestalten, der sowohl den gemeinsamen Blick zurück gewährleistete, als auch die Sinne zu schärfen für Gegenwart und Zukunft.

Den Start in den Abend machte Gerd Kolbe ( BVB-Archivar) der, nach einer kurzen aber entschlossenen Einleitung unseres Schatzmeisters Dr. Lunow, die 150 anwesenden Borussen mit auf eine Zeitreise nahm, und die Geschichte des jungen Karl Büttners erzählte. Dieser war im Alter von zehn Jahren von seiner Mutter bei den Kanarienvögeln vom Borsigplatz angemeldet worden, wo auch sein Bruder das runde Leder kickte. Zwar waren die spielerischen Qualitäten des jungen Büttners stark beschränkt, doch das hinderte ihn nicht daran alles für seine Borussia zu geben, und somit war er bereits mit 16 Jahren bei Borussia in Amt und Würde. Was dann folgte, beschreibt stellvertretend die Geschichte einer ganzen Generation von Menschen die für die Nationalisten in einen sinnlosen Krieg zogen. Büttner wurde vom Borsigplatz an die Ostfront kommandiert und war somit dem Leid des Krieges in Gänze ausgesetzt, und es ist nicht auszuschließen das auch er zum Täter wurde. Nach seiner Rückkehr von der Front nach Dortmund, erwartete ihn nicht nur eine völlig zerstörte Stadt, sondern auch eine völlig zerstörte Familie.

Nachdem Gerd Kolbe seinen Vortrag über die Geschichte der Borussen-Familie Büttner beendet hatte, folgte Wilfried Harthan vom Heinrich-Czerkus Fanclub mit dem dritten Teil (im dritten Jahr) der Serie „Widerstandskämpfer beim BVB“. In diesem beschäftigte er sich sehr ausführlich und in wunderbarer Art und Weise mit der Vita des Leichtathlet Fritz Weller. Dieser war nicht nur Vorzeigeathlet bei den Mannen in schwarz-gelb vom Borsigplatz, sondern auch im Arbeitersportbund organisiert. Diejenigen die ihn noch kennen lernen durften, beschreiben ihn als ehrenwerten Sportsmann und als vorzüglichen Handballer. Er schaffte es dank der guten Vernetzung über den Arbeitersportbund den Widerstand im roten Norden der Stadt für lange Zeit aufrecht zu erhalten. In der Widerstandsabteilung 3 (Borsigplatz) organisiert, schaffte er es wiederholt kritische Medien zu verbreiten, und damit dem Meinungsmonopol der Faschisten entgegen zu wirken.

Im weitern Verlauf des Abends ließ der Fanbeauftragte Daniel Lörcher das Jahr 2013 Revue passieren. Dabei sparte er auch unliebsame Themen nicht aus. Seinen Schwerpunkt legte er jedoch auf die Gedenkstättenfahrten mit jungen BVB-Fans und Ultras rund um die Gruppe The Unity. Passend dazu konnten Steffen und Hannah, Teilnehmer_innen in den letzten zwei Jahren, von ihren Erfahrungen berichten, und den Besuchern des BORUSSEUM eindrucksvoll vermitteln, welche Wirkung die Auseinandersetzung mit dem Holocaust vor Ort auf junge Menschen hat. Nicht zuletzt deshalb fühlten sich auch einige ältere Semester direkt dazu berufen ihre Motivation kund zu tun im nächsten Jahr ebenfalls mit auf diese Reise- in die Deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – zu gehen. Beendet wurde die Veranstaltung mit der Verlesung von Texten von Wilhelm Brasse, dem Lagerfotografen in Auschwitz, den Hannah dort 2011 noch vor seinem Tod kennen lernen durfte:

„Ich bin heute hier, um Ihnen meine Geschichte zu erzählen. Denn wenn ich nicht mehr da bin, dann müssen Sie sie weitererzählen.“

„Bleiben Sie kritisch!“

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