Von Gedenkstättenfahrten und einer Ausstellung im BORUSSEUM bis hin zu vielfältige Aktionen im Rahmen der FARE-Wochen: Das Jahr 2014 aus der Sicht von ballspiel.vereint!

Los ging es am 27. Januar traditionell mit dem „Tag gegen das Vergessen“ im BORUSSEUM, an dem auch Mitglieder von b.v! teilnahmen. Am diesem Tag im Jahre 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Zusammen mit der BVB-Stiftung „Leuchte Auf“, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten organisierte das BORUSSEUM einen gleichsam interessanten wie kurzweiligen Abend. So schilderten zwei Teilnehmer ihre Eindrücke der letztjährigen Gedenkstättenfahrten und BVB-Archivar Gerd Kolbe skizzierte die Geschichte des jungen Dortmunders Karl Büttner zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Im Februar wurde es digital: Unter www.ballspielvereint.org lassen sich seither alle Infos rund um b.v! im Netz finden. Parallel dazu kann man uns auch bei Facebook und Twitter folgen. Ein paar Wochen später folgte ein ausführliches Interview mit dem Fanzine schwatzgelb.de (hier nachzulesen). Darin ging es um die Ziele und Motive der Initiative, die Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus im Umfeld des BVB, sowie um Aktionen, die im Laufe des Jahres noch folgen sollten.

Eine davon war die Ausstellung „Tatort Stadion 2“. Vom 18. bis zum 27. April holte ballspiel.vereint! die Ausstellung ins BORUSSEUM. Schon 2001 wurde der Vorgänger „Tatort Stadion“ vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) entwickelt und seither an fast 200 Orten gezeigt. Die Ausstellung leistete Pionierarbeit, indem sie Diskriminierung beim Fußball thematisierte. Ihr Nachfolger soll informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun. Auf Initiative von b.v! war die Ausstellung dann auch erstmals in Dortmund zu sehen.

Eröffnet wurde sie von BVB-Präsident Reinhard Rauball am Karfreitag, unmittelbar vor dem alljährlichen Heinrich-Czerkus-Lauf. Weitere Aktivitäten, an denen wir uns in diesem Zeitraum beteiligt haben, waren unter anderem der Vortrag mit Sozialwissenschaftler Gerd Dembrowski zum Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-)Fußball“, das Theaterstück „Steh deinen Mann“ und eine Gedenkveranstaltung für deportierte Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg. Weiterhin gab es eine Führung rund um den Borsigplatz. Die Führung wurde in das dauerhafte Progamm der Borsigplatz VerFührugen übernommen. Informationen dazu sind unter: Link zu finden.

Auf ihre Spuren begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der bislang umfangreichsten Gedenkstättenfahrt ins polnische Lublin. Im Juni besuchten 33 BVB-Fans, unter ihnen auch Mitglieder der Initiative, die Gedenkstätten in Belzec, Sobibor und Majdanek und machten sich ein Bild der abscheulichen Vernichtungsindustrie im Nationalsozialismus. Alle Mitfahrer waren sich einig, das Erlebte als Ansporn zu nehmen, um sich weiter gegen Ausgrenzung und Rassismus einzusetzen. Im Oktober wurde der BVB für dieses Engagement mit dem Julius-Hirsch-Preis geehrt.

Auch in der Sommerpause waren wir nicht tatenlos: Zwei Vertreter von ballspiel.vereint! bekamen bei der „Mondiali Antirazzisti“ in Bologna die Möglichkeit, im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Arbeit der Initiative, aktuelle Probleme und Zukunftsperspektiven vorzustellen. Und das vor Fans aus ganz Europa. Weitere Beispiele aus der Antirassismusarbeit und dem humanitären Engagement zahlreicher Fans wurden beim parallel stattfindenden europäischen Fankongress präsentiert.

Der Herbst stand schließlich ganz im Zeichen der internationalen FARE-Wochen. Die „Football People action weeks“ bringen Gruppierungen aller Größenordnung aus mehr als 40 Ländern zusammen, die gemeinsam durch den Fußball Diskriminierung bekämpfen und Vielfalt zelebrieren wollen. So fand Anfang Oktober ein Vortrag über den Gedenkstättenbesuch in Lublin statt, bei der heutige und mögliche künftige Arten der Erinnerung an die Shoah vorgestellt wurden. Mehr als 70 Interessierte lauschten dem rund einstündigen Vortrag im BVB-Lernzentrum. Noch mehr kamen kurze Zeit später zu einem weiteren Vortrag unter dem Motto „Tradition verpflichtet? Fußball und Antisemitismus in Deutschland“. Es entwickelte sich ein informativer und kontrovers diskutierter Abend, der die verschiedensten Argumentationsweisen und Mechanismen antisemitischen Verhaltens darstellte und mit im Fußball alltäglichen Vorfällen verband.

Foto: Coloniacs

Abgerundet wurden diese Aktionen mit verschiedenen Spruchbändern beim Auswärtsspiel unserer Borussia in Köln und dem Heimspiel gegen Hannover 96. In Köln wurden zunächst zwei Spruchbänder mit der Aufschrift „Fußball ist Fußball und Rassismus bleibt Rassismus“ gezeigt, die an ein Lied der rechten Hooligan-Band Kategorie C angelehnt waren und ein klares Bekenntnis gegen Diskriminierung darstellten. Anschließend folgte ein Transparent mit der Aufschrift „Gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit“. Zeitgleich zeigten die Coloniacs Spruchbänder mit demselben Inhalt in der Südkurve des Müngersdorfer Stadions, was die gemeinsame Aktion zu einem vollen Erfolg machte. Auch die mediale Resonanz und die vom Verein getroffenen positiven Rückmeldungen bestärken uns in unserer Arbeit gegen Rassismus und weitere Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung. Beim anschließenden Heimspiel gegen Hannover wurden in den Reihen der in b.v! organisierten Fanclubs zum Einlaufen der Mannschaften verschiedene Spruchbänder im gesamten Stadion gezeigt, die ein klares Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung setzten. Dazu gehörten beispielsweise Transparente mit der Aufschrift „Nazis auffe Süd sind uns nicht scheissegal – Borussia Dortmund International“, „Football has no gender“ und „30 Spieler – 13 Nationen – 1 BVB! United against racism“.

 

Wir freuen uns, dass sich im Laufe des letzten Jahres zahlreiche Fans und Fanclubs unseren Aktionen angeschlossen und Position gegen Rassismus und Diskriminierung bezogen haben. Gemeinsam können wir es schaffen, den von uns angestrebten antirassistischen Grundkonsens in der Fanszene des BVB zu etablieren. Wir haben erste Schritte gemacht auf einem langen Weg gegen ausgrenzendes Gedankengut – nicht nur im Westfalenstadion, sondern auch darüber hinaus.
Lasst ihn uns 2015 gemeinsam weitergehen.

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