Seit dem 9. Juni sorgt in Dortmund ein Protest-Camp von syrischen Geflüchteten für Aufsehen. Die Organisatoren konnten aus ihrer Heimat vor dem Islamischen Staat und den damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen entkommen und in Deutschland einen Antrag auf Asyl stellen. Deren Anträge befinden sich allerdings noch im Status der Bearbeitung. Die Protestierenden haben keine Gewissheit darüber, ob ihnen Asyl gewährleistet werden wird oder nicht. Die Bearbeitungsdauer von Asylanträgen ist in Dortmund wohl deutlich länger als an anderen Standorten. Die Betroffenen haben aufgrund des unsicheren Aufenthaltsstatus nicht die Möglichkeit ihre Familien legal nach Deutschland zu holen. Sie sind nach wie vor mit einem Alltag aus Krieg und Verfolgung konfrontiert. Spätestens Berichte von Familien, die während der schleppenden Verfahren vollständig in Syrien getötet wurden, machen die Dramatik unmissverständlich deutlich. Eine Situation, die sich die meisten Menschen in Deutschland derzeit wohl kaum vorstellen können. Ziel der Protestierenden ist, dass sich die Bearbeitungszeit beschleunigt. Einige der Geflüchteten warten schon mehr als acht Monate auf die Aufenthaltsgenehmigung. Des Weiteren richtet der Protest sich gegen das Dubliner-Abkommen, jene EU-Verordnung, die bestimmt, dass ein Asylgesuch nur in dem Land der jeweiligen EU-Einreise möglich ist und die Verantwortung für Asyl zu großen Teilen den südeuropäischen Länder zuschiebt.

Befand sich das Protest-Camp in den ersten Tagen noch vor dem zuständigen „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ (BAMF) in der Huckarder Straße, sind die Protestierenden am vergangenen Dienstag aufgrund der höheren Öffentlichkeitswahrnehmung, in Form eines stillen Protestspaziergangs mit ca. 250 UnterstützerInnen, an die Katharinentreppen gegenüber des Dortmunder Hauptbahnhofs umgezogen. Für Öffentlichkeit sorgten vorher unter anderem auch schon eine Delegation von Nazi-Fressen, die glaubten sich mit Stör- und Übergriffsversuchen in den Vordergrund spielen zu können. Die Syrer am Camp zeigten sich davon zum Glück unbeeindruckt. Mit dem Bedrohungsszenario, dem man in der Heimat ausgesetzt war, sei das nicht zu vergleichen. Größere Sorgen machen die Angehörigen, die nach wie vor im Kriegsgebiet befinden.
Die Protestierenden sind erfreut über die breite Unterstützung, mit der sie vorher nicht gerechnet haben. Wir möchten an dieser Stelle für die sehr unterstützenswerte Initiative „Refugees Welcome to Dortmund“ werben, die unter anderem hier zu finden ist. Auch einige Personen aus der Dortmunder Fan- und Ultraszene zeigten sich mit den Menschen vor Ort solidarisch. „The Unity“, war beispielsweise mehrmals in großer Zahl am Camp und hat mit Sach- und Nahrungsmittelspenden geholfen. Habt keine Scheu, vorbeizuschauen und die Menschen zu supporten. Sei es in Form von Nahrungsmittelspenden, Schutz, Gesprächen oder wie auch immer!

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