Borussia Dortmund entzieht seinen Ultra-Gruppierungen die Auswärts-Dauerkarten für die neue Saison. Diese Nachricht zog in der vergangenen Woche ihre Kreise. Das Vorgehen des Vereins muss dabei insbesondere als Reaktion auf die zuvor vom DFB-Sportgericht ausgesprochene Strafe verstanden werden, wonach dem BVB bei erneuten Vorfällen – insbesondere pyrotechnischer Natur – eine Teilsperre der Südtribüne im folgenden Heimspiel droht. Zudem muss der BVB 75.000 Euro Strafe für Vorfälle aus insgesamt vier Spielen zahlen.

Die Strafe des DFB und eine mögliche Rechtfertigung wollen wir an dieser Stelle gar nicht debattieren, vielmehr wollen wir auf die Sanktion des BVB eingehen. Mit dem Entzug der ADKen verweigert der Verein den treuesten Fans den automatischen Zutritt zu den Auswärtsspielen, national wie international. Die Gruppen sind nun gezwungen, die Karten auf anderen Wegen zu organisieren, was bei einem Misserfolg mitunter das Fehlen der gesamten Gruppen in den Auswärtsblocken zur Folge haben könnte. Und das ist fatal!

In den vergangenen Jahren konnte mehrfach beobachtet werden, was im schwarzgelben Gästeblock passiert, wenn die Ultra-Gruppierungen fehlen. Die Möchtegern-Capos, die nach dem drölften Pils genug Mut angetrunken haben, um das Vorsängerpodest zu besteigen, sind da fast zu vernachlässigen. Denn neben dem organisierten Support stehen die Ultras im Block insbesondere für eines: Nazis und besorgte Bürger haben keine Chance sich einzunisten. Doch genau das war ebenfalls zu beobachten, wenn die Ultras abwesend waren. Und hier liegt die Gefahr im aktuellen ADK-Entzug, gerade auch mit Blick auf die internationalen Spiele. Denn insbesondere hier sind im Umfeld des BVB oftmals viele deutlich rechte Personen unterwegs, die zuhause mitunter ohnehin mit Stadionverbot bedacht sind.

Und auch national öffnet der BVB mit dem ADK-Entzug Personen und Gruppen die Tür, die dem Verein – der sich ansonsten erfreulicherweise mit Hingabe dem Kampf gegen Rechts verschrieben hat – wenig lieb sein können. So ist es seit einiger Zeit zu beobachten, dass die Borussenfront wieder gezielt Präsenz zeigt, wenn absehbar ist, dass die Ultras nicht vor Ort sein werden. Und auch die im vergangenen Jahr neuformierte Gruppe ohne Namen, die bereits unzählige Male durch einschlägige Vorfälle aufgefallen ist, wird eine Abstinenz der Ultras garantiert für eine Infiltrierung der verbliebenen Auswärtsfahrerszene zu nutzen versuchen.

Und so bleibt unterm Strich festzuhalten: Der Entzug der Auswärtsdauerkarten ist unter dem Blickwinkel des Kampfes gegen Rechts ein großes Eigentor und muss unter diesem Gesichtspunkt zwingend noch einmal überdacht werden.

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