ballspiel.vereint!

Initiative von BVB Fans gegen Diskriminierung

Nachbetrachtung des Vortrags von Gerd Dembowski

„Es gibt in Dortmund eine antirassistische Tradition, die man hochhalten kann“, sagt Gerd Dembowski. Im Rahmen der Ausstellung „Tatort Stadion“ hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts den Soziologen und Fanforscher nach Dortmund geholt. Zu seinem Vortrag im Presseraum des BVB sind über 85 Menschen gekommen, um zu hören, was Dembowski über das Thema „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“ zu sagen hat. Und das klingt für die Vergangenheit sehr positiv. Stadiondurchsagen und Gesänge beim BVB gegen die Pogrome gegen Asylsuchende in Deutschland waren Auslöser für die erste Toleranz-Kampagne des DFB. Auf dem dazugehörigen Plakaten zu „Mein Freund ist Ausländer“ posierten mit den Dortmunder Spielern Stefan Reuter und Stéphane Chapuisat überwiegend Borussen. Darum spricht sich Dembowski dafür aus, diese positiven Dinge aus der BVB-Geschichte stark zu machen und nicht immer nur der Borussenfront Raum zu geben.

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Eröffnung Tatort Stadion 2 / Heinrich Czerkus Lauf

 Der diesjährige Karfreitag – für viele BVB-Fans aufgrund des Heinrich-Czerkus-Laufes ein fester Termin im Kalender – wurde in der vergangenen Woche zusätzlich mit der Eröffnung der Ausstellung “Tatort Stadion 2” bereichert.
Obwohl der offizielle Teil erst um halb 12 beginnen sollte, hatten sich schon viele Interessierte mit Öffnung des BORUSSEUM eingefunden, um sich die unterschiedlichen Stellwände und Exponate anzuschauen. Die Ausstellung stellt in verschiedenen Bereichen diverse Arten von Diskriminierung vor, wie z.B. Sexismus, Homophobie, Alltagsrassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus. Andere Bereiche beschäftigen sich mit den Akteuren wie der organisierten rechten Szene, Hooligans, dem DFB oder den Medien und auch die Position von Ultras wird hier beleuchtet. Interessierten Besucher_innen werden eine Reihe von Fotos auffallen, mit denen die Ausstellung ergänzt wurde, die positive und negative Vorfälle in Dortmund zeigen.
Als Dr. Rauball sowie ein Vertreter von ballspiel.vereint! um halb 12 die Ausstellung eröffneten, waren die Räume des BORUSSEUM sehr gut gefüllt. Dr. Rauball sprach auf einer persönlichen Ebene, er betonte, wie sich juristische und gesellschaftliche Verhältnisse seit den 70er Jahren geändert und zum Besseren hin gewandelt haben, außerdem betonte er als Präsident des Vereins zugleich, dass er erfreut sei, die Ausstellung in Dortmund zu sehen und machte deutlich, dass auch Borussia Dortmund sich seiner Verantwortung bewusst sei. Neben der Ausrichtung der Arbeit der Fanbetreuer, die sich vermehrt dem Thema Anti-Diskriminierung widmen, hat sich der e.V. dazu entschlossen, einen organisierten Neonazikader aus dem Verein auszuschließen. Sicherlich nur ein kleiner Schritt, den Zuhörer_innen dürfte aber deutlich geworden sein, dass sich der BVB endlich bewusst ist, dass er handeln muss und dies auch anfängt zu tun.
Dies stellt ebenfalls der Verteter von ballspiel.vereint! heraus. In seiner Rede wurde darauf eingegangen, warum die Ausstellung nach Dortmund geholt wurde und welche Absicht mit ihr verfolgt wird. Auch wenn in den letzten Jahren die Sensibilität für Diskriminierung im Stadion-Umfeld gestiegen ist und es dadurch auch zu weniger Ausfällen gekommen ist, gibt es nach wie vor genügend negative Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Durch die Ausstellung soll zur Thematik weiterhin informiert und aufgeklärt werden. Des Weiteren ging in der Rede noch ein Dank für die Zusammenarbeit an das BORUSSEUM und die Stiftung „leuchte auf“, die uns tatkräftig unterstützt haben. Auch an das Bündnis Dortmund gegen Rechts, welches die Wanderausstellung ebenfalls nach Dortmund holen wollte, ging ein Gruß. Das Bündnis organisiert nun den Vortrag “Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball” von Gerd Dembowski, der im Pressekonferenzraum im Westfalenstadion stattfinden wird. Beginn ist am Donnerstag, den 24.04.2014 um 19:09 Uhr. Ebenfalls wurde das boat people project dankend genannt, welches am Freitag, den 25.04.2014, ebenfalls um 19:09 Uhr das Theaterstück “Steh deinen Mann” im KCR Dortmund (Braunschweiger Str. 22) aufführen wird.
Die Ausstellung kann noch bis zum 28.04. im BORUSSEUM besucht werden, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist frei, wenn ihr ausschließlich diese besuchen wollt. Wer zusätzlich das BORUSSEUM oder die Stadiontour sehen möchte, zahlt dafür den üblichen Preis.

Nach der Eröffnung der Ausstellung folgte nun zum 10. Mal der Heinrich-Czerkus-Lauf. Rund 250-300 Wanderer machten sich um 13 Uhr auf den Gedenkmarsch in die Bittermark. Mittlerweile hat sich hier ein gewisser Stamm herausgebildet, aber von Jahr zu Jahr kommen neue junge BVB-Fans hinzu, um an dem Gedenklauf teilzunehmen. In der Bittermark selbst gesellten sich neben den Wanderern auch diejenigen dazu, die die Strecke gejoggt oder mit dem Rad gefahren waren, um den Reden und den Kranzniederlegungen zu folgen. Der Heinrich-Czerkus-Lauf endet in der Bittermark, wo traditionell eine große Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund stattfindet. Diese erinnert an die Opfer der sogenannten Karfreitagsmorde der Nationalsozialisten (am Karfreitag 1945, kurz vor Kriegsende). Opfer der Karfreitagsmorde wurden neben Heinrich Czerkus auch die Borussen Fritz Weller und Franz Hippler.

Tatort Stadion 2

Vom 18.4 bis 27.4 holt ballspiel.vereint! die Ausstellung Tatort Stadion nach Dortmund.

„2001 wurde die Ausstellung Tatort Stadion vom Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) entwickelt und seitdem an fast zweihundert Orten gezeigt. Die Ausstellung leistete Pionierarbeit, indem sie Diskriminierung beim Fußball thematisierte.
Seitdem hat sich viel getan. Diskriminierung wird von vielen Vereinen und Fans mittlerweile als Problem wahrgenommen und angegangen. Dennoch werden in deutschen Stadien nach wie vor allwöchentlich AusländerInnen beschimpft, antisemitische und antiziganistische Gesänge angestimmt oder Homosexuelle verunglimpft. Frauen haben es im Männersport Fußball weiterhin schwer, akzeptiert zu werden.
Die komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 will informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun.“( tatortstadion.blogsport.de )

Die Ausstellung Tatort Stadion kommt nun erstmalig nach Dortmund. Auf Initiative von ballspiel.vereint! wird die Ausstellung von Karfreitag, 18.04. bis einschließlich Sonntag, 27.04. im BORUSSEUM, also direkt im Westfalenstadion gezeigt. Der Eintritt zur Ausstellung und allen Veranstaltungen wird kostenfrei möglich sein. Spenden zugunsten von b.v! sind natürlich sehr gerne gesehen. Wer auch die Dauerausstellung des BORUSSEUM sehen oder an der Stadiontour teilnehmen möchte, zahlt den normalen Eintritts- bzw. Führungspreis.
Zum zehnten Mal jährt sich der Gedenklauf für den Widerstandskämpfer gegen Hitler und ehemaligen Platzwart von Borussia Dortmund, Heinrich Czerkus. Dies wird der Startpunkt für die Ausstellung sein. Von 10 Uhr bis zum Startschuss (etwa 13 Uhr) wird das BORUSSEUM die Sonderaustellung öffnen, danach werden wir zusammen in die Bittermark spazieren, joggen oder radeln.

Am 21.4., also Ostermontag startet um 17:30 Uhr eine Führung rund um den Borsigplatz mit dem Titel „Der BVB, Nazis und Widerstand.“ Dieser führt unter anderem an die Wohnhäuser von Heinrich Czerkus, Fritz Weller und Franz Hippler, die Albertus-Magnus-Kirche, in der Pfarrer Lepper verhaftet wurde, und die ehemalige Kneipe des von der Borussenfront vertriebenen „Erbse“ Erdmann („BVB-Walzer“). Diese Führung wird von Annette Kritzler durchgeführt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldungen unter info@ballspielvereint.org

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts wird am Donnerstag, den 24. April einen Vortrag mit Gerd Dembowski veranstalten. Das Thema lautet „Diskriminierung und Antidiskriminierung im deutschen (Profi-) Fußball“. Immer wieder erscheinen neonazistische Auswüchse im Profi-und Amateurfußball in der öffentlichen Diskussion. Aber was bleibt außer Empörung und einigen symbolpolitischen Maßnahmen? Was können Fans, Vereine und Verbände tun, um einen sozial-inklusiven Klimawandel zu fördern?
Anschließend wird eine Diskussionsrunde stattfinden. Der Beginn ist um 19:09 Uhr, der Veranstaltungsort wird im Westfalenstadion sein. weitere Informationen www.gerd-dembowski.de

Am Freitag, den 25.4. um 19:09 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) zeigen wir das Theaterstück STEH DEINEN MANN von Christopher Weiss. www.boatpeopleprojekt.de/stuecke/steh-deinen-mann
Das Stück präsentiert auf humorvolle Weise eine fiktive Sportler- Biografie aus dem Amateur-Dorffußballleben. Konfrontiert mit einer Statistik 10% aller Männer seien homosexuell macht sich Fußballfan Matthias auf die Suche nach dem aktiven »schwulen Superspieler«.
Dies wird im KCR Dortmund, Braunschweiger Straße 22 in 44145 Dortmund, in direkter Nähe zum Nordmarkt stattfinden. Auch für das Theaterstück bitten wir aufgrund begrenzter Plätze, um eine Anmeldung unter info@ballspielvereint.org .

Nach der Ausstellung, am Montag, den 28.04., rufen wir dazu auf eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die deportierten Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg zu besuchen. Die Gedenkveranstaltung startet um ca. 18 Uhr und ist für ca. 30-45 Minuten geplant. Ein Teil der Veranstaltung wird von Borussia-Fans beigesteuert werden, die an einer vom BVB organisierten Gedenkstättenfahrt teilnehmen. Diese führt unter anderem ins Vernichtungslager Sobibor und ins Konzentrationslager Majdanek. Diese Veranstaltung wird nicht von uns geplant oder durchgeführt, wir unterstützen sie aber gern durch Anwesenheit und diesen Aufruf.

Gerahmt von den beiden Gedenkveranstaltungen, welche schon seit vielen Jahren durchgeführt werden, wird Tatort Stadion 2 also fast zwei Wochen Station in Dortmund machen. Das BORUSSEUM öffnet täglich um 10 Uhr und schließt um 18 Uhr.
Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher_innen und werden bei der Ausstellung durchgehend mindestens eine_n Ansprechpartner_in vor Ort haben, welche euch bei Fragen zu Tatort Stadion 2, zu Diskriminierung oder zu Fußball weiterhelfen kann.

Personen, die nazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der nazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind bei allen Veranstaltungen und von der Ausstellung ausgeschlossen. Der Veranstalter wird von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Zutritt zur Ausstellung und den Veranstaltungen verwehren oder von diesen ausschließen.

VFB Stuttgart – Borussia Dortmund// Borussia Dortmund 2 -Preußen Münster (14Uhr Stadion Rote Erde)

Foto: BVB Fanabteilung

Nächstes Wochenende ist es wieder so weit: Der Ballspielverein Borussia von 1909 gastiert beim VFB Stuttgart in Bad Cannstatt zum 28. Spiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 2014.
Zu diesem Anlass werden am Samstag tausende Schlachtenbummler_innen den Weg zum Neckarstadion in Angriff nehmen, um ihren jeweiligen Verein nach Kräften zu unterstützen. Die im weiten Rund Anwesenden werden ihr Möglichstes dafür geben, dass die Vertreter ihrer Farben auf dem Grün mindestens einmal mehr als die Anderen das Runde im Eckigen unterbringen.
So weit die Theorie, in der Praxis sieht das allerdings anders aus!
Wiedereinmal sieht sich die Dortmunder Fanszene mit Eintrittspreisen jenseits des guten Geschmacks konfrontiert. Bereits im letzten Jahr mussten wir für den Besuch des Spiels zwischen dem VFB Stuttgart und dem Ballspielverein tiefer in die Tasche greifen, als es uns lieb war. Unter Protest taten es die meisten, wenn sie denn eine Wahl hatten, trotzdem.
Dieses Jahr nicht. Wiederholt kostet das Tagesticket für 90 Minuten Abstiegskampf des VFB für uns Fans aus Westfalen inklusive Vorverkaufsgebühren über 20 Euro. Diesen Umstand nehmen die Dortmunder Ultras rund um die Gruppe The Unity in dieser Spielzeit zum Anlass, auf den Besuch des Spiels der ersten Mannschaft des BVB beim VFB zu verzichten.
Stattdessen schlägt The Unity allen Schwarz-Gelben vor, mit ihnen das Spiel der Zweitvertretung des Ballspielvereins in der Roten Erde gegen Preußen Münster zu besuchen:

„Wir wollen am 29. März nicht auf ein Stadionerlebnis verzichten! Wir wollen an diesem Samstag nicht auf Borussia verzichten! Lasst uns an diesem Spieltag erneut die Rote Erde gemeinsam rocken. Jeder, dem die überteuerten Eintrittspreise des VfB zuwider sind, ist eingeladen sich uns anzuschließen. Jeder, der die weite Fahrt nach Stuttgart eh nicht eingeplant hatte, fühle sich aufgefordert zum Heimspiel an die Strobelallee zu kommen.“ (The Unity)

Es ist natürlich schwierig zu sagen, wie viel Geld ein Bundesligaspiel wert ist. Was sollte man bereit sein zu zahlen um ein Bundesligaspiel im Stadion verfolgen zu dürfen? Wo ist die Schmerzgrenze erreicht?
Das alles hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und ist am Ende immer wieder aufs Neue eine individuelle Entscheidung, die niemandem abgenommen werden kann.
Doch sollte auch klar sein, dass mit jedem Euro, die der Stadionbesuch teurer wird, die Entscheidung gegen das Spiel im Stadion einfacher wird. Kurzfristig lässt sich so etwas natürlich kompensieren. Wer am Samstag nicht nach Stuttgart fährt, wird ersetzt durch jemanden, der eine höhere Zahlungsbereitschaft an den Tag legt. Ein Gesetz des Marktes, das auch im Fußball nicht zu umgehen ist.

Die Vereine haben ein Monopol auf Eintrittskarten ihrer Heimspiele. Sie versuchen durch ihre Preispolitik ihre gegebenen Kapazitäten möglichst voll auszuschöpfen und dabei den größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften. Durch die Preispolitik, die der VFB Stuttgart nun fährt, wird Publikum, das für gewöhnlich die Tribünen bevölkert und belebt verdrängt und zahlungsfähigeres Publikum wird diese Plätze dafür einnehmen. Dieser Prozess beginnt natürlich nicht erst bei Preisen von 20,00 Euro und mehr, sondern ab dem ersten Euro, der als Eintritt verlangt wird.
Das besondere dabei ist nun jedoch, dass genau die Menschen vom Stadionbesuch absehen, die sonst das Stadion beleben, mit Fahnen bereichern und mit Gesängen das Spiel nach vorne treiben.
Es sind also genau die Menschen, die Bundesligafußball erst wirklich attraktiv machen.
Es ist eine unrühmliche Methode die der VFB anwendet um die schwarz-gelbe Kuh zu melken.

ballspiel.vereint! Unterstützt den Aufruf der Gruppe THE UNITY das Spiel unserer Profis beim VFB nicht zu besuchen und sich stattdessen lieber mit Freund_innen auf ein Bier in der Roten Erde zu treffen, um unsere Amateure gegen Preußen Münster siegen zu sehen.
Die Vereine werden erst aufhören an der Preisschraube zu drehen, wenn sie merken, dass durch ihre Preispolitik genau die Menschen aus ihrem Stadion ausgeschlossen wurden, die vorher Anreiz für viele andere waren das Stadion zu besuchen.
Love Borussia – Don’t be a cow!

schwatzgelb.de Interview: Ballspiel.vereint! – Borussen gegen Diskriminierung

Im Februar ist die Initiative ballspiel.vereint!, die sich mit Diskriminierung rund um Borussia Dortmund beschäftigt, mit einer Homepage und einer Facebook-Seite in die Öffentlichkeit getreten. Seitdem ist die Liste der Unterstützer stetig angewachsen und auch die Facebook-Seite erfreut sich großem Zuspruch. Wir haben uns mit den Jungs getroffen um die wichtigsten Fragen zu klären. Wofür steht ballspiel.vereint, wer steckt dahinter und welche Aktionen sind geplant?

schwatzgelb.de: Hallo, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt uns ein paar Fragen zu beantworten. Fangen wir mal ganz vorne an: Wie seid ihr darauf gekommen, die Initiative ballspiel.vereint! ins Leben zu rufen und was kann man sich unter ballspiel.vereint! überhaupt vorstellen?

ballspiel.vereint!: Die Initiative ballspiel.vereint! ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Fangruppen von Borussia Dortmund, zumeist Alles- oder Vielfahrer. Die Initiative setzt sich aus verschiedensten Teilen der Fanszene zusammen. Es sind Ultras dabei und Allesfahrer, aber auch Fans, die nur zu Heimspielen gehen. Uns verbindet neben dem Interesse an Borussia Dortmund der gemeinsame Wunsch, dass sich bei Borussia alle Menschen wohlfühlen können und wir ein entsprechendes Klima schaffen, in dem niemand Angst haben muss, dass ihm jemand in den Rücken fällt. Erst recht kein anderer BVB Anhänger.
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Stadtgespräch erfüllt die Erwartungen: Nichts Neues!

Der Radiosender WDR5 lud am 11. März 2014 ins Harenberg-City-Center (HCC) in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Wer bändigt die Hooligans? Damit der Fußball wieder Spaß macht” ein.
Zu Gast waren neben dem BVB-Fanbeauftragten Jens Volke, dem Journalisten und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, Judith von der Heyde, ihres Zeichens Wissenschaftlerin, auch Ralf Jäger, der Innenminister von NRW sowie Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz.
Das HCC war bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass einige Gäste die Podiumsdiskussion, die unter reger Beteiligung der anwesenden Zuschauer_innen stattfand, nur aus dem Vorraum verfolgen konnten.
Neben etlichen BVB-Fans, Ultras und anderen Interessierten, fand sich auch ein sehr großes Aufgebot an Verfassungsschützer_innen und Polizist_innen im Publikum.
Leider hielt es der WDR dennoch nicht für nötig, die rund sieben ebenfalls anwesenden Mitglieder des verbotenen “Nationalen Widerstands Dortmund” des Saals zu verweisen, obwohl BVB-Fans auf diesen Missstand wiederholt hinwiesen und auch der anwesenden Polizei sowie den Angestellten des Innenministeriums die Personen nicht fremd seien dürften.
Hier wäre der klassische Gebrauch des Hausrechts, seitens des Veranstalters, angebracht gewesen. Dafür hätte der WDR jedoch bereits im Vorfeld darauf hinweisen müssen, dass gewisse Personenkreise (wie z.B. Mitglieder verbotener Organisationen) von der Veranstaltungseinladung ausgeschlossen sind. Daran hat der WDR leider nicht gedacht, dafür jedoch an intensive Einlasskontrollen, die auch das Abtasten der Kleidung und Taschenkontrollen beinhalteten.
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Liebe und Respekt sind grenzenlos! To St. Petersburg with love and respect!

Jedes Wochenende stehen auf der Tribüne eine Mutter, ihr zehnjähriger Junge und hetero- und homosexuelle Freunde zusammen. Sie erzählte vor Kurzem nach einem Fußballspiel in der Kneipe, dass ihr Sohn auf die homophoben Äußerungen eines Mitschülers mit einer Frage reagierte: „Wie? Du kennst Schwule? Erzähl mir mehr!“ Kennt der Mitschüler wirklich schwule Menschen oder nur überlieferte Vorurteile über Schwule?

Lasst uns mehr miteinander, statt übereinander reden! Fragen stellen und durch die Antworten mehr voneinander zu lernen. Dafür ist es wichtig Orte und Gelegenheiten zu haben, wo sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Alters, sexueller Identität begegnen können. Überall haben wir die Chance dazu – lasst sie uns nutzen! Auch im Stadion.

Am heutigen Dienstag werden wieder viele Borussinnen und Borussen unterwegs sein und sind Gast in einem anderen Land. Es wird kulturelle Unterschiede geben, aber überall gilt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948: „ […] Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. […]“ (Quelle)

Leider gibt es seit dem letzten Sommer in Russland – und in St. Petersburg ein wenig länger – ein Gesetz, dass es den Menschen verbietet in der Öffentlichkeit und in frei zugänglichen Medien positiv über Homosexualität zu berichten.

Die Folge ist, dass die sexuelle Aufklärung und das Einstehen für fundamentale Menschenrechte mit hohen Geldstrafen und auch Gefängnisstrafen sanktioniert werden. Menschen, die sich für die Grundrechte auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transidente einsetzen, erfahren durch Gewaltanwendung von Homophoben und staatlicher Exekutive am eigenen Leib, wie ein Grundrecht mit Füßen getreten, als auch mit Fäusten geschlagen wird. Viele Homohasser sehen das erlassene Gesetz als Freibrief für Gewalt gegenüber Homosexuellen an. Im Internet werden Gewaltakte gegenüber Schwulen in Videomitschnitten dargestellt. Es fehlt am grundlegenden Respekt gegenüber anderen Menschen. Das muss sich ändern!

Auch in Deutschland sind Diskriminierung und Gewalt gegenüber Homosexuellen noch vielfach anzutreffen. Solange man sich nicht in der Öffentlichkeit dazu bekennt und zeigt, also unsichtbar bleibt ist „alles in Ordnung“. Alleine die Tatsache, dass man auch immer noch von einem Outing spricht zeigt, dass hier etwas als unnatürlich, nicht Normal angesehen wird. Das Heterosexuelle gilt als Norm für die man sich nicht explizit outet. Alles Andere ist nachrangig gedacht, wird damit auch nachrangig behandelt und von Vielen immer noch als minderwertig angesehen. Nicht nur im Fußball ist die schwule Sau als Schimpfwort und Abwertung noch allgegenwärtig.

Das ist schade. Denn nicht nur bei dem Teamsport Fußball sollte es um das gemeinsame Gewinnen gehen, sondern auch im Zwischenmenschlichen und anderen gesellschaftlichen Bezügen. Fragen zu stellen, sich auf andere Menschen und deren Lebenswirklichkeit einzulassen in Gesprächen. Ja, auch das ist im Fußball möglich.

ballspiel.vereint!

„Tag gegen das Vergessen“ im BORUSSEUM

Am 27.Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit, und auch 69 Jahre später sind die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen. Der „internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ bot den richtigen Rahmen für eine Veranstaltung, die uns an die Opfer des Holocaust erinnern sollte, und es schaffte die Brücke vor unsere eigene Haustür, hin zum Borsigplatz, hin zur Borussia zu schlagen. Zusammen mit der BVB-Stiftung Leuchte Auf, dem Fanprojekt, der Fanabteilung und den Fanbeauftragten gelang es dem BORUSSEUM einen Abend zu gestalten, der sowohl den gemeinsamen Blick zurück gewährleistete, als auch die Sinne zu schärfen für Gegenwart und Zukunft.

Den Start in den Abend machte Gerd Kolbe ( BVB-Archivar) der, nach einer kurzen aber entschlossenen Einleitung unseres Schatzmeisters Dr. Lunow, die 150 anwesenden Borussen mit auf eine Zeitreise nahm, und die Geschichte des jungen Karl Büttners erzählte. Dieser war im Alter von zehn Jahren von seiner Mutter bei den Kanarienvögeln vom Borsigplatz angemeldet worden, wo auch sein Bruder das runde Leder kickte. Zwar waren die spielerischen Qualitäten des jungen Büttners stark beschränkt, doch das hinderte ihn nicht daran alles für seine Borussia zu geben, und somit war er bereits mit 16 Jahren bei Borussia in Amt und Würde. Was dann folgte, beschreibt stellvertretend die Geschichte einer ganzen Generation von Menschen die für die Nationalisten in einen sinnlosen Krieg zogen. Büttner wurde vom Borsigplatz an die Ostfront kommandiert und war somit dem Leid des Krieges in Gänze ausgesetzt, und es ist nicht auszuschließen das auch er zum Täter wurde. Nach seiner Rückkehr von der Front nach Dortmund, erwartete ihn nicht nur eine völlig zerstörte Stadt, sondern auch eine völlig zerstörte Familie.

Nachdem Gerd Kolbe seinen Vortrag über die Geschichte der Borussen-Familie Büttner beendet hatte, folgte Wilfried Harthan vom Heinrich-Czerkus Fanclub mit dem dritten Teil (im dritten Jahr) der Serie „Widerstandskämpfer beim BVB“. In diesem beschäftigte er sich sehr ausführlich und in wunderbarer Art und Weise mit der Vita des Leichtathlet Fritz Weller. Dieser war nicht nur Vorzeigeathlet bei den Mannen in schwarz-gelb vom Borsigplatz, sondern auch im Arbeitersportbund organisiert. Diejenigen die ihn noch kennen lernen durften, beschreiben ihn als ehrenwerten Sportsmann und als vorzüglichen Handballer. Er schaffte es dank der guten Vernetzung über den Arbeitersportbund den Widerstand im roten Norden der Stadt für lange Zeit aufrecht zu erhalten. In der Widerstandsabteilung 3 (Borsigplatz) organisiert, schaffte er es wiederholt kritische Medien zu verbreiten, und damit dem Meinungsmonopol der Faschisten entgegen zu wirken.

Im weitern Verlauf des Abends ließ der Fanbeauftragte Daniel Lörcher das Jahr 2013 Revue passieren. Dabei sparte er auch unliebsame Themen nicht aus. Seinen Schwerpunkt legte er jedoch auf die Gedenkstättenfahrten mit jungen BVB-Fans und Ultras rund um die Gruppe The Unity. Passend dazu konnten Steffen und Hannah, Teilnehmer_innen in den letzten zwei Jahren, von ihren Erfahrungen berichten, und den Besuchern des BORUSSEUM eindrucksvoll vermitteln, welche Wirkung die Auseinandersetzung mit dem Holocaust vor Ort auf junge Menschen hat. Nicht zuletzt deshalb fühlten sich auch einige ältere Semester direkt dazu berufen ihre Motivation kund zu tun im nächsten Jahr ebenfalls mit auf diese Reise- in die Deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – zu gehen. Beendet wurde die Veranstaltung mit der Verlesung von Texten von Wilhelm Brasse, dem Lagerfotografen in Auschwitz, den Hannah dort 2011 noch vor seinem Tod kennen lernen durfte:

„Ich bin heute hier, um Ihnen meine Geschichte zu erzählen. Denn wenn ich nicht mehr da bin, dann müssen Sie sie weitererzählen.“

„Bleiben Sie kritisch!“