Liebe und Respekt sind grenzenlos! To St. Petersburg with love and respect!

Jedes Wochenende stehen auf der Tribüne eine Mutter, ihr zehnjähriger Junge und hetero- und homosexuelle Freunde zusammen. Sie erzählte vor Kurzem nach einem Fußballspiel in der Kneipe, dass ihr Sohn auf die homophoben Äußerungen eines Mitschülers mit einer Frage reagierte: „Wie? Du kennst Schwule? Erzähl mir mehr!“ Kennt der Mitschüler wirklich schwule Menschen oder nur überlieferte Vorurteile über Schwule?

Lasst uns mehr miteinander, statt übereinander reden! Fragen stellen und durch die Antworten mehr voneinander zu lernen. Dafür ist es wichtig Orte und Gelegenheiten zu haben, wo sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Alters, sexueller Identität begegnen können. Überall haben wir die Chance dazu – lasst sie uns nutzen! Auch im Stadion.

Am heutigen Dienstag werden wieder viele Borussinnen und Borussen unterwegs sein und sind Gast in einem anderen Land. Es wird kulturelle Unterschiede geben, aber überall gilt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948: „ […] Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. […]“ (Quelle)

Leider gibt es seit dem letzten Sommer in Russland – und in St. Petersburg ein wenig länger – ein Gesetz, dass es den Menschen verbietet in der Öffentlichkeit und in frei zugänglichen Medien positiv über Homosexualität zu berichten.

Die Folge ist, dass die sexuelle Aufklärung und das Einstehen für fundamentale Menschenrechte mit hohen Geldstrafen und auch Gefängnisstrafen sanktioniert werden. Menschen, die sich für die Grundrechte auch für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transidente einsetzen, erfahren durch Gewaltanwendung von Homophoben und staatlicher Exekutive am eigenen Leib, wie ein Grundrecht mit Füßen getreten, als auch mit Fäusten geschlagen wird. Viele Homohasser sehen das erlassene Gesetz als Freibrief für Gewalt gegenüber Homosexuellen an. Im Internet werden Gewaltakte gegenüber Schwulen in Videomitschnitten dargestellt. Es fehlt am grundlegenden Respekt gegenüber anderen Menschen. Das muss sich ändern!

Auch in Deutschland sind Diskriminierung und Gewalt gegenüber Homosexuellen noch vielfach anzutreffen. Solange man sich nicht in der Öffentlichkeit dazu bekennt und zeigt, also unsichtbar bleibt ist „alles in Ordnung“. Alleine die Tatsache, dass man auch immer noch von einem Outing spricht zeigt, dass hier etwas als unnatürlich, nicht Normal angesehen wird. Das Heterosexuelle gilt als Norm für die man sich nicht explizit outet. Alles Andere ist nachrangig gedacht, wird damit auch nachrangig behandelt und von Vielen immer noch als minderwertig angesehen. Nicht nur im Fußball ist die schwule Sau als Schimpfwort und Abwertung noch allgegenwärtig.

Das ist schade. Denn nicht nur bei dem Teamsport Fußball sollte es um das gemeinsame Gewinnen gehen, sondern auch im Zwischenmenschlichen und anderen gesellschaftlichen Bezügen. Fragen zu stellen, sich auf andere Menschen und deren Lebenswirklichkeit einzulassen in Gesprächen. Ja, auch das ist im Fußball möglich.

ballspiel.vereint!