Aufruf zu Demonstrationen gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit in der Nordstadt

Am kommenden Montag wollen Neonazis in der Nordstadt erneut rassistisch und antisemitisch hetzen. Nach den Morden in Halle und den voraus gegangenen Umtrieben der Nazis in Dortmund wird die Stadtgesellschaft mit ihren verschiedenen Bündnissen gemeinsam den Nazis entschlossen entgegen treten. 
Um die Vielfalt des Protests deutlich
zu machen, gibt es am Montag, 14.10. – jeweils ab 19 Uhr – bis dato drei Versammlungen und Demos an verschiedenen, aber eng bei einander liegenden, Orten. Denn der Naziaufmarsch soll nach den Vorkommnissen in Dortmund, aber vor allem auch in Halle, nicht umkommentiert bleiben. Zudem ist es längst überfällig, dass auch die Menschen in der Nordstadt, die seit Wochen die Aufmärsche der Nazis ertragen müssen, Unterstützung bekommen und Solidarität erfahren. 

Daher wird es bis dato folgende Versammlungen bzw. Demonstrationen geben:
  • Der Förderverein Gedenkstätte Steinwache/ Internationales Rombergpark-Komitee e.V. wird in Kooperation mit dem Arbeitskreis Dortmund gegen Rechtsextremismus am NSU-Mahnmal (Steinstraße 48) eine Demonstration starten.
  • Das Bündnis Dortmund gegen Rechts wird seine Demonstration an der Kurfürstenstraße/ Ecke Kirchenstraße starten.
  • Das Bündnis BlockaDO trifft sich an der Ecke Grüne Straße/ Baumstraße.

Die Organisationen rufen dazu auf, am Montag – unabhängig eines möglichen Verbots des Neonazi-Aufmarschs – ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit in Dortmund zu setzen.

Offener Brief an die Polizei Dortmund

Sehr geehrter Herr Polizeipräsident Lange,
sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Dorndorf,

ich schreibe Ihnen im Auftrag des Begleitausschusses der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Wie Sie wissen besteht das Gremium aus allen wesentlichen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen unserer Stadt. Das Gremium hat am 10.Oktober einstimmig beschlossen, Sie aufzufordern, die Neonazi-Aufmärsche durch die Nordstadt zu untersagen.

Begründung:

Die menschenverachtenden Morde sowie die Angriffe auf die Synagoge in Halle durch einen Rechtsextremen erschüttern das ganze Land, erschüttern auch die demokratische Dortmunder Stadtgesellschaft zutiefst.

Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland angegriffen werden. Die Angriffe und Morde von Halle, jeder Angriff auf jüdische Menschen und Einrichtungen sind Angriffe auf uns alle und auf die Werte unserer freien Gesellschaft. Antisemitismus ist deshalb mit aller Kraft und rechtsstaatlichen Härte zu bekämpfen, auch in Dortmund. Auch die Dortmunder Polizei hat sich mehrfach klar gegen Antisemitismus geäußert und ist im März 2019 dem Dortmunder Netzwerk gegen Antisemitismus beigetreten.

Trotzdem ziehen in Dortmund Neonazis immer wieder mit antisemitischen Parolen und dem Ruf „Nie wieder Israel“ durch die Straßen. Allerdings wird im Auftreten deutlich, dass es sich nicht um eine wie immer geartete „Israel-Kritik“ handelt, sondern um Antisemitismus. Dies wird in den Störaktionen beim Pogromnacht – Gedenken in Dorstfeld, aber auch beim Skandieren der Parole „Wer Deutschland liebt ist Antisemit“, der Unterstützung der notorischen Holocaust-Leugnern Ursula Haverbeck sowie andere auch gerichtlich anhängige Äußerungen deutlich wie die des „Die Rechte“-Bundesvorsitzenden Sascha Krolzig, der den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Bielefeld als „frechen Juden-Funktionär“ bezeichnet hat und dafür am 10. Oktober 2019 in zweiter Instanz verurteilt wurde. Dies sind nur einige Beispiele für die antisemitische Grundhaltung der Dortmunder Neonazis.

Diese Rufe sind der verbale Aufruf für antisemitische Taten und Täter in Halle oder sonst wo. Die Dortmunder Neonazis haben angekündigt, an 12 Montagen durch die Nordstadt zu marschieren – zwei dieser Montags-Aufmärsche haben bereits stattgefunden, der nächste ist für den kommenden Montag angekündigt. Es ist zu erwarten, dass auch dabei wieder die o.g. sowie weitere antisemitische Parolen gebrüllt werden.

Nicht nur, aber erst recht seit dem rechtsextremen Attentat in Halle halten wir das für unerträglich und nicht hinnehmbar. Es muss insbesondere für unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gerade auch in Dortmund wie ein Hohn klingen, wenn wenige Tage nach dem Terror in Halle und dem Angriff auf die dortige Synagoge der verbale antisemitische Hass auf den Straßen marschiert und zu hören ist.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat im Mai 2018 festgestellt, dass allein durch das Skandieren dieser Parolen die Grenzen der Meinungsfreiheit nach Art 5 GG noch nicht überschritten seien und für sich genommen nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten. Gleichzeitig hält das Gericht fest, dass es keine konkreten Anhaltspunkte dafür gäbe, „(….) dass der Antragsteller (hier: die Partei DIE RECHTE) die Parole ‚Nie wieder Israel‘ oder eine vergleichbare Äußerung im Zuge der angemeldeten Versammlung mit einem paramilitärischen oder einem sonst die Bevölkerung einschüchternden aggressiven, gewalttätigen Auftreten verknüpfenwerde.“
Gerade nach dem Terroranschlag in Halle sind wir der Auffassung, dass das nicht so stehen bleiben darf. Denn was sollte vor den Hintergrund der von einem Rechtsextremen verübten und der geplanten weiteren Morde an Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Halle die von Nazis in Dortmund gebrüllte Parole „Nie wieder Israel“ anderes sein als ein „die Bevölkerung einschüchterndes aggressives, gewalttätiges Auftreten“?

Dazu kommt, dass der Dortmunder Neonazi-Aufmarsch am kommenden Montag wahrscheinlich bundesweit der erste rechtsextreme Aufmarsch nach den schrecklichen Ereignissen in Halle sein wird. Deshalb ist damit zu rechnen, dass er aus diesem Grund medial weit über Dortmund hinaus begleitet, beobachtet und kommentiert werden wird. Dortmund würde dann wieder einmal bundesweit in das Licht einer Nazi-Hochburg geraten, in der Rechtsextreme sogar nur fünf Tage nach einem rechtsextremen Attentat ungestört marschieren dürfen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem, dass der Täter von Halle auch gezielt Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund gemacht hat. Er tötete in einer Döner-Bude einen Migranten und versuchte weitere zu töten, was ihm nur auf Grund einer Ladehemmung der Waffe misslang. Neonazis danach durch die Nordstadt ziehen zu lassen – einem mehrheitlich migrantisch geprägten Viertel – im dem auch der NSU mit einem Kiosk-Mord seine Spuren hinterlassen und viel Leid verursacht hat, ist nicht hinnehmbar.

In diesem Zusammenhang wollen wir auch unseren Unmut nicht verhehlen, dass beim letzten Aufmarsch die Neonazis – entgegen der Zusicherung der Polizei – an der NS-Mahn- und Gedenkstätte Steinwache und dem NSU-Mahnmal vorbeigeleitet wurden.

Bereits vor zwei Wochen haben die Neonazis am Jüdischen Neujahr mit dem Skandieren „Nie wieder Israel“ und „Palästina hilf uns doch, Israel gibt es immer noch“ für bundesweite Empörung gesorgt und auch den israelischen Botschafter zu einem klaren Statement genötigt. Am 14. Oktober und dem 21. Oktober sind zudem erneut jüdische Feiertage. Daher sind solche Aufmärsche überhaupt nicht hinnehmbar. Am kommenden Montag ist der Eklat vorprogrammiert, da mit Dieter Riefling einer bekanntesten Hetzer der deutschen Neonazi-Szene – er ist mehrfach einschlägig vorbestraft – als Redner angekündigt ist.

Wir fordern Sie deshalb auf, vor diesem Hintergrund die Aufmärsche zu verbieten. Noch heute werden drei zivilgesellschaftliche Organisationen für den kommenden Montag jeweils Versammlungen anmelden.

Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit dürfen in Deutschland, dürfen in Dortmund keinen Platz haben.

Im Namen der Mitglieder des Begleitausschusses
Hartmut Anders-Hoepgen
Vorsitzender des Begleitausschuss

Nachrichtlich: Zivilgesellschaftliche Mitglieder im Begleitausschuss:

  • Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus
  • Bündnis Dortmund gegen Rechts
  • BlockaDo
  • Arbeitskreis Christen gegen Rechtsextremismus
  • Runder Tisch gegen Extremismus Lütgendortmund
  • Runder Tisch für Toleranz und Verständigung in Dorstfeld
  • Netzwerk gegen Rechts in Mengede
  • Runder Tisch für ein demokratisches Eving
  • Förderverein Gedenkstätte Steinwache – Internationales Rombergpark – Komitee
  • BVB – Fanbeauftragte
  • Fan- Initiative „ballspiel.vereint!“
  • Mitglieder der Ratsfraktionen CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke
  • DGB Dortmund-Hellweg
  • Katholische Stadtkirche
  • Auslandsgesellschaft NRW e.V.
  • BackUp
  • CoBaYana
  • Quartiersdemokraten
  • Jugendring Dortmund

Einladung zum Stammtisch

Liebe Borussinnen und Borussen,

Der nächste ballspiel.vereint!-Stammtisch steht an, hierzu möchten wir euch gerne einladen.

Als besonderen Programmpunkt haben wir diesmal die Führung „Widerstand und seine Folgen – Die NS Zeit, der BVB und der Borsigplatz“ bei www.borsigplatz-verfuehrung.de gebucht.

Die Tour wird wie folgt auf der Homepage beschrieben: „Diese spezielle Tour geht der Frage nach, wie sich das Nationalsozialistische-Regime auf die BVB Familien am Borsigplatz auswirkte.

Die Gleichschaltung im Zuge der politischen Veränderungen durch das NS-Regime, ab 1933, hatte weitreichende Folgen, auch für den BVB. Unser Traditionsverein hat diese, auch für ihn, schwere Zeit überdauert und die eigene Geschichte in bemerkenswerter Weise aufgearbeitet.

Diese neue Tour basiert auf Grundlage der Aufarbeitungen unseres Vereines. Wir greifen für Sie beispielhaft die Geschichten von Heinrich Czerkus, Franz Hippler, beide gehören zu den Ermordeten im Rombergpark, auf; – wir möchten ihre Geschichten erzählen – eine Tour wider das Vergessen!“

Da solch eine Führung nur mit einer begrenzten Personenzahl sinnvoll ist, bitten wir euch darum eine E-Mail an info@ballspielvereint.org zu senden um euch anzumelden. Bitte teilt uns in der E-Mail euren Namen und wie viele Personen ihr anmelden möchtet mit.

Es ist selbstverständlich, dass die Tour im Rahmen des Stammtisch unentgeltlich angeboten wird. Um eine kleine Spende wird dennoch gebeten damit wir auch weiterhin Veranstaltungen solcher Art anbieten können. Falls ihr nach erfolgter Anmeldung dennoch verhindert seid, dann seid bitte so fair und gebt uns kurz Bescheid. Somit können Nachrücker den freiwerdenden Platz nutzen.

Die wichtigsten Fakten zum Stammtisch:

Datum: Freitag, den 16.08.2019

Uhrzeit: 18:00Uhr

Treffpunkt: Dreifaltigkeitskirche in der Nähe des Borsigplatz

Dauer der Führung: etwa 2 Stunden

Einladung zum 3. BVB Aktionstag

Fußball ist (auch) Frauensache- BVB Aktionstag am 25. Mai

Liebe Mitstreiter_innen, Freund_innen, Boruss_innen,

bereits im dritten Jahr in Folge findet am 25. Mai ein BVB-Aktionstag statt, dieses Mal unter dem Motto „Fußball ist (auch) Frauensache“. Die Teilnehmer_innen haben an diesem Tag die Möglichkeit verschiedene Workshops rund um das Thema Sexismus im Fußball zu besuchen. Es wird dabei um Erfahrungen, Empowerment und Strategien zur Bekämpfung von Sexismus gehen. Wie in den Vorjahren wird es sowohl theoretische als auch praktische und kreative Workshops sowie eine kleine Einführung und einen Abschlusstalk geben.

Als ballspiel.vereint! sind wir an der Gestaltung des Aktionstages beteiligt und werden am 25. Mai einige der Workshops begleiten und wieder mit einem kleinen Stand vor Ort sein.

Weitere Infos findet ihr unter bvb.de/Aktionstag. Dort könnt ihr euch für den Aktionstag und die entsprechenden Workshops anmelden.

Einen Rückblick zum 2. Aktionstag finden ihr hier.

Graffiti unter der Südtribüne, entstanden am 1. BVB Aktionstag
Graffiti unter der Südtribüne, entstanden beim 2. BVB Aktionstag

Einladung zum Stammtisch

Liebe Mitstreiterinnen, Freunde, Borussen!

Es steht der nächste ballspiel.vereint!-Stammtisch an zu dem wir euch gern einladen wollen.

Als besonderen Programmpunkt haben wir diesmal den Workshop „Hömma, so läuft das hier nich!“ bei Borussia Dortmund gebucht. Dieser soll Fans dabei helfen, Rassismus erklären, erkennen und im besten Fall entgegentreten zu können. Orientiert am Ablauf eines Stadionbesuches werden in 90 Minuten praktische Inhalte wie rechte Symbole und verschiedene Formen von Rassismus an Beispielen erläutert. Außerdem werden Handlungsmöglichkeiten bei rechten Vorfällen aufgezeigt.
Diesen Workshop kann jeder Fanclub kostenlos bestellen, da aber nicht alle die Mindestteilnehmer*innenzahl zusammen bekommen, möchten wir ihn im Rahmen des Stammtisches auch kleineren Gruppen und einzelnen Fans anbieten. Außerdem sind Abende wie diese immer eine gute Möglichkeit dafür uns und unsere Arbeit kennenzulernen und zu unterstützen. Und das ganze bei einem leckeren Pils oder anderer Getränke in gemütlicher Atmosphäre!

Stattfinden wird der Stammtisch im Fanladen (Dudenstr. 4) des Fanprojekts.
Kommt vorbei: Am Freitag, 12. April 2019. Um 19 Uhr öffnen wir und gegen 19:30 Uhr möchten wir mit dem Workshop starten.

Wir freuen uns auf euch
ballspiel.vereint!

15. Heinrich-Czerkus Gedächtnislauf

Aufruf zum 15. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf


An Karfreitag, den 19. April 2019, wird der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf zum 15. Mal stattfinden. Wie in all den Jahren zuvor versteht sich der Lauf als ein starkes Signal für ein friedliches und gewaltfreies Miteinander innerhalb und außerhalb des Stadions. Im Sinne seines Namensgebers richtet er sich entschieden gegen Rechts, gegen Rassismus, Antisemitismus und jegliche Form von Diskriminierung. Alle, die dazu einen Beitrag leisten möchten, sind herzlich eingeladen, mitzulaufen: mit ihren Fahnen, Trikots und Schals, von welchem Verein, Club etc. auch immer. Wer damit ein Problem hat, wird gebeten, dem Lauf fern zu bleiben. 
Wir freuen wir uns auf viele Wanderer, Walker, Jogger und Radler auf dem Weg vom Stadion Rote Erde durch den Rombergpark in die Bittermark zur Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund. Wir wünschen uns einen großen, bunten, friedlichen und fröhlichen Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf 2019.


Treff: Stadion Rote Erde ab 12 Uhr
Start: Wanderer 13 Uhr, Walker 13.30 Uhr, Jogger/Radler 14 Uhr
Ziel: Denkmal Bittermark, 15 Uhr, dort Ausgabe der Urkunden
Strecke: Stadion Rote Erde, Rombergpark, Denkmal Bittermark (ca. 7 km)
Hinweise: Gedächtnislauf, kein Wettkampf, keine Zeitnahme, kein Stress, Trikots und Fahnen von Vereinen, Clubs etc. sind willkommen. Transport von Wechselwäsche und Getränken am Ziel ist geregelt. Kein Startgeld, Spende erbeten
Die Veranstalter:
• NaturFreunde Dortmund-Kreuzviertel,
• Fan-Projekt Dortmund e.V.,
• BVB-Fanclub Heinrich Czerkus,
• Borussia Dortmund.
________________________________________
Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Amedspor – Geschichte eines kurdischen Fußballvereins | Bericht zum Vortrag

Am vergangenen Montag erwartete die Besucher des Rekorders in der Dortmunder Nordstadt eine ungewöhnliche Veranstaltung. Fans vom türkischen Drittligisten Amedspor reisen derzeit auf Einladung eines deutschen Soli-Teams durch Deutschland, um auf die prekäre Situation kurdischer Fußballfans und kurdischer Menschen im Allgemeinen innerhalb der Türkei aufmerksam zu machen. Einer der Zwischenstopps dieser Soli-Tour war diese Woche auch Dortmund.

Amedspor ist ein noch relativ junger Verein, der während der Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK entstanden ist. In dieser leichten Entspannungsphase erhielten die Kurd*innen in der Türkei einige – für deutsche Verhältnisse völlig selbstverständliche – Freiheiten. Dazu gehörte auch, dass in Diyarbakır ein Fußballverein gegründet werden konnte, der den kurdischen Namen der Stadt (Amed) trägt und in rot-grünen Trikots in Anlehnung an die kurdische Freiheitsbewegung auftritt: Amedspor. Dieser, für die meisten Deutschen wohl unbekannte Club, ist nicht nur aufgrund seines Selbstverständnisses als kurdischer „Volksverein“ besonders, sondern auch weil die dazugehörige Fanszene sich den Kampf gegen Rassismus, Sexismus und andere Diskriminerungsformen auf die Fahnen schreibt. Er ist zwar nicht der einzige kurdische Verein, aber der mit Abstand populärste und erfolgreichste.

In den vergangenen Jahren ist der Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Bevölkerung wieder eskaliert. Einer der traurigen Höhepunkt der erneuten Eskalation stellt sicherlich die mehrwöchige militärische Belagerung und Zerstörung der Altstadt Ameds bzw. Diyarbakırs in den Jahren 2015 und 2016 dar. Im Zuge der neuen Repressionswelle stehen auch kurdische Vereine wie Amedspor stark unter Druck: Gelder für Amedspor werden gestrichen und Sponsoren werden eingeschüchtert. Auch deshalb ist die Idee dieser Soli-Tour entstanden.

Der Rekorder war mit ca. 60 Besucher*innen gut gefüllt. Zusammen mit einem Dolmetscher und einem Begleiter des deutschen Soli-Teams schilderten zwei Fans von Amedspor die Situation ihres Vereins. Sie sprachen über Rassismus und Übergriffe bei Auswärtsfahrten, Repressionen seitens der türkischen (Polizei-)Behörden, aber auch von schöneren Aspekten des Vereinslebens wie der guten Entwicklung der Frauenmannschaft in der ersten türkischen Liga und von einem wachsenden Zuschauerschnitt.

Der Vortrag entwickelte sich relativ schnell zu einer breiten Fragerunde, bei der quer durch das gesamte Publikum ein reges Interesse an den Verhältnissen im türkischen Fußball und dem Alltag der Fans und Vereinsangehörigen bestand. Die beiden Fans von Amedspor, die auch aufgrund von Ausreiseverboten in kleinerer Anzahl vor Ort waren als geplant, antworteten geduldig und zeigten zwischendurch immer wieder Videoaufnahmen von Spielen, die einen guten Einblick in das Vereinsleben von Amedspor ermöglichten.

Vieles was an diesem Abend erzählt wurde, war für das Dortmunder Publikum unvorstellbar. Dazu gehören vermeintlich kleine Probleme, wie etwa, dass 19 Anläufe nötig waren, um einen Fanclub gründen zu dürfen oder die Berichte von regelmäßigen rassistischen Schmähungen seitens türkischer Heimfans bei Auswärtsspielen. Auch wurde der Verein vor die Wahl gestellt, ob er seinen kurdischen Namen Amedspor behalten oder weiterhin die Farben der kurdischen Flagge (Rot-Gelb-Grün) tragen möchte. Der neue Vereinsname hätte den türkischen Namen der Stadt, also Diyarbakır anstatt Amed, enthalten müssen. Es wurde sich dafür entschieden den Namen zu behalten und das Gelb der Vereinsfarben gegen Weiß zu tauschen. Darüber hinaus wurde aber beispielsweise auch von einem Fall berichtet, bei dem ein junger Mann aufgrund eines Amedspor-Pullovers von einer türkischen Universität geflogen ist oder, dass ein Vereinsmitarbeiter bei einem Auswärtsspiel auf der Pressetribüne fast totgeschlagen wurde.

Das Publikum reagierte auf der einen Seite entsetzt aufgrund der unfassbaren Verhältnisse und auf deren anderen Seite beeindruckt von dem Mut mit dem Amedspor von seinen Anhänger*innen am Leben gehalten wird. Die am Montag geschilderten Eindrücke haben viele von uns bis jetzt nicht losgelassen. Wir sind dankbar, dass wir diese Veranstaltung ausrichten durften und wir wünschen den Menschen von Amedspor weiterhin viel Kraft auf ihrem Weg. Das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Kurd*innen, die sich in der Türkei Repressionen ausgesetzt sehen oder für ihren Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt kämpfen.

Her biji Amed!

Ein herzliches Dankeschön geht an die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, die uns bei der Finanzierung der Veranstaltung unterstützt hat.

Amedspor – Geschichte eines kurdischen Fußballvereins | Vortrag mit Diskussion

Geschichte eines Fußballvereins zwischen kurdischer Identität und türkischer Repression – Gespräch mit Fans des Vereins Amedspor aus Amed/Diyarbakır auf Türkisch/Deutsch

Montag, 28.01. | 19:00 Uhr | Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Im Rahmen einer deutschlandweiten Soli-Tour soll die Situation des kurdischen Fußballvereins Amedspor in der Türkei dokumentiert und Interessierten hierzulande zugänglich gemacht werden.

Der Verein wurde im Jahr 2014, während sich die Türkei und die kurdische Freiheitsbewegung in Friedensverhandlungen und einer Phase der Entspannung befanden, nach dem kurdischen Namen der Stadt Diyarbakır in Amedspor umbenannt.
Seit der Umbenennung erfreut sich der Club einer großen Beliebtheit unter der kurdischen Bevölkerung der Türkei. Diese Popularität zeigt sich insbesondere auch in der Struktur des Vereins, der basisdemokratisch organisiert ist. Fans, Spieler*innen und Funktionäre entscheiden Hand in Hand über die Belange des Vereins.

„Amedspor – Geschichte eines kurdischen Fußballvereins | Vortrag mit Diskussion“ weiterlesen

Antisemitismus und Fankultur | Vortrag mit Diskussion

Donnerstag, 17.01. | Einlass 19:30, Beginn 20:00 Uhr |
Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Die Zahl der antisemitischen Anschläge, Aussagen und Übergriffe nimmt in Europa aktuell kontinuierlich zu. Diese Entwicklung findet auch ihren Ausdruck in den Fankurven europäischer Vereine, was nicht verwundern sollte, präsentiert sich das Denken vieler organisierter und subkultureller Fans als Zerr- und Spiegelbild gesellschaftlich verbreiteter Ressentiments. In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus im Fußballkontext wird häufig auf übliche Deutungsmuster zurückgegriffen, die den Antisemitismus in einer endlosen Reihung von sogenannten Ausgrenzungsmustern thematisieren und dabei die spezifische Projektionsleistung des Antisemitismus aus dem Auge verliert. Der Vortrag will versuchen eine gegenstandsbezogene Kritik des Antisemitismus zu leisten, indem auf jene Sozialisationsbedingungen subkultureller Fußballfans in den Kurven reflektiert wird, die dem antisemitischen Denken entgegenkommen. Dabei sollen wesentliche Elemente des Antisemitismus herausgestellt und Erscheinungsformen sowie Funktionsweisen des Antisemitismus insbesondere in der Welt des Fußballs erläutert werden.

Der Eintritt ist frei.

Organisatorischer Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien
oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen
sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende
Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Rückblick Ausstellung Fan.tastic Females

Die Ausstellung Fan.tastic Females wurde vom 15. November bis zum 17. Dezember 2018 in Dortmund im BORUSSEUM gezeigt. Wir bedanken uns hiermit noch einmal bei dem BORUSSEUM für die Unterstützung und bei allen Besucher*innnen für ihr Interesse. Wir hoffen, ihr hattet Spaß und konntet einen guten Einblick in die unterschiedlichen Facetten weiblicher Fankultur gewinnen.

Wer an Hintergrundinformationen zur Ausstellung interessiert ist, dem empfehlen wir den Podcast „Auffen Punkt“ von schwatzgelb.de. Hier werden Antje Grabenhorst (Projektkoordinatorin) und Ramona Steding (portraitierter BVB-Fan) über die Beweggründe, Inhalt und Entstehungsgeschichte des Projekts interviewt.
Auffen Punkt 19 – Fan.tastic Females

Weitere Informationen (u.a. zu den nächsten Stationen der Ausstellung) findet ihr außerdem unter:
https://www.fan-tastic-females.org