Hömma, wat singste da eigentlich?

Wir wollen keine Blau-Weißen Parasiten?

Fangesänge gehören zu jeder lebendigen Fankultur dazu. Sie sind sogar ihr Kern und unverzichtbar. Gerade deswegen ist es wichtig sich mit ihnen zu beschäftigten. Wir legen hier unser Augenmerk auf Selbstkritik und wollen dabei einzelne Lieder der Südtribüne untersuchen und einordnen. Dabei geht es uns um Aufklärung über ihren Ursprung und Inhalt, nicht darum Fans zu verurteilen. Im ersten Text beleuchten wir ein Lied, welches zwar kaum noch im Westfalenstadion oder auswärts gesungen wird, jedoch vor allem bei Derbys immer mal wieder auftaucht:

„Wir wollen keine blau-weißen Parasiten – Schwarz-Gelb ist der Ruhrpott – Raus mit diesem Pack!“

Der Originalsong „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ (1965) von Gus Backus ist bereits voller rassistischer Stereotype und handelt von der Auseinandersetzung des „Weißen Mannes“ (der die Eisenbahn bauen möchte) mit dem „alten Indianerhäuptling“, der dies verhindern will und schlussendlich, aufgrund seiner Kampfeslust, als Schaffner angestellt wird. Das ist ziemlich stumpf, soll an dieser Stelle allerdings gar nicht weiter behandelt werden, da unser Problem mit diesem Lied darüber hinaus geht. Denn schauen wir uns den Refrain des Liedes an, dann stellen wir fest, dass es mit der BVB-Version nicht mehr viel gemein hat. Im Original wird gesungen: „Da sprach der alte Häuptling der Indianer: Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf! Uff!“ Woher kommt also der Text für die Stadionversion?

1997 coverte das neonazistische Musikprojekt „Die Zillertaler Türkenjäger“ das Lied und gab ihm einen neuen Text. Sie verbreiten in dem Lied klaren Rassismus gegenüber Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Bereits der Titel dieser Version lautet „Da sprach der Negerhäuptling aus Uganda“. Inhaltlich geht es im Text um gängige rassistische Verschwörungstheorien über die angebliche Übernahme Deutschlands, um Drogenverkauf und das Vergewaltigen von blonden Frauen. Am Ende bekommt „der Negerhäuptling“ von „deutschen Skins“ was „auf’s Maul“. An dieser Stelle ändert sich auch der Refrain. Auf die gewohnte Melodie wird hier nun „Wir wollen keine fremden Parasiten, weiß bleibt die Heimat, raus mit diesem Pack“ gesungen. An dieser Stelle erkennt man leider, woher die Inspiration für die Stadionversion gekommen sein wird, da lediglich die Farben ausgetauscht wurden.

Viele Fans singen dieses Lied schon länger nicht mehr mit und würden sich wünschen, dass es ganz verschwindet. Gern auch aus anderen Stadien, wo es auch, in farblich angepassten Versionen, immer wieder auftaucht.

Rote Erde – Kein Platz für Nazis!

Am vergangenen Donnerstag waren, wie schon von mehreren Quellen berichtet, 25 Neonazis aus dem Umfeld der Borussenfront und der Partei „Die Rechte“ beim Vorbereitungsspiel unserer Amateure beim Lüner SV. Dank des engagierten Eingreifens von Teilen der Ultraszene konnte gewährleistet werden, dass die Neonazis das Spiel in Lünen nicht als Wohlfühlzone erlebt haben. Doch der Versuch Stadionbesuche der Zweiten Mannschaft als Teil der rechten Erlebniswelt zu etablieren, wird schon seit Längerem unternommen. Vor allem bei Spielen der Amateure die parallel mit Bundesligaspielen der Profis stattfinden, wittern Neonazis ihre Chance sich ungestört mit Borussia Dortmund zu schmücken. Im Rahmen der letzten beiden Spiele der zweiten Mannschaft unserer Borussia in der abgelaufenen Saison der Dritten Liga, welche ausschließlich parallel zu Spielen der Profimannschaft stattfanden, zeigten vermehrt einschlägig bekannte Personen aus der Neonazi-Szene Dortmunds Präsenz. Beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden am 16.05.2015 bewegten sich Nazi-Kader der Schein-Partei „Die Rechte“, die sich hauptsächlich aus Mitgliedern des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“ zusammensetzt, sowie Teile der Borussenfront im Umfeld der Roten Erde.

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schwatzgelb.de Interview: Ballspiel.vereint! – Borussen gegen Diskriminierung

Im Februar ist die Initiative ballspiel.vereint!, die sich mit Diskriminierung rund um Borussia Dortmund beschäftigt, mit einer Homepage und einer Facebook-Seite in die Öffentlichkeit getreten. Seitdem ist die Liste der Unterstützer stetig angewachsen und auch die Facebook-Seite erfreut sich großem Zuspruch. Wir haben uns mit den Jungs getroffen um die wichtigsten Fragen zu klären. Wofür steht ballspiel.vereint, wer steckt dahinter und welche Aktionen sind geplant?

schwatzgelb.de: Hallo, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt uns ein paar Fragen zu beantworten. Fangen wir mal ganz vorne an: Wie seid ihr darauf gekommen, die Initiative ballspiel.vereint! ins Leben zu rufen und was kann man sich unter ballspiel.vereint! überhaupt vorstellen?

ballspiel.vereint!: Die Initiative ballspiel.vereint! ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und Fangruppen von Borussia Dortmund, zumeist Alles- oder Vielfahrer. Die Initiative setzt sich aus verschiedensten Teilen der Fanszene zusammen. Es sind Ultras dabei und Allesfahrer, aber auch Fans, die nur zu Heimspielen gehen. Uns verbindet neben dem Interesse an Borussia Dortmund der gemeinsame Wunsch, dass sich bei Borussia alle Menschen wohlfühlen können und wir ein entsprechendes Klima schaffen, in dem niemand Angst haben muss, dass ihm jemand in den Rücken fällt. Erst recht kein anderer BVB Anhänger.
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